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Aus: Ausgabe vom 01.03.2019, Seite 6 / Ausland
Gipfel in Hanoi

Normalisierte Beziehungen

Vietnam sucht internationale Verantwortung. Vergleiche mit Nordkorea hinken
Von Gerhard Feldbauer
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Gipfelvorbereitung: Die Fahnen Vietnams, der DVR Korea und der USA schmücken Hanoi (22.2.2019)

Mit der Ausrichtung des zweiten Gipfeltreffens der Staatschefs der USA und der DVR Korea, Donald Trump und Kim Jong Un, rücke Vietnam mit seinen Anstrengungen, zur Sicherung des Friedens beizutragen, erneut in den Blickpunkt der internationalen Öffentlichkeit, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Vietnam News Agency (VNA) am Mittwoch einen hochrangigen Diplomaten. Es wurde hervorgehoben, dass das Treffen mit dem 20. Jahrestag der Würdigung Hanois als »Stadt des Friedens« durch die UNESCO zusammenfalle. Premierminister Nguyen Xuan Phuc sagte gegenüber VNA, dass die Ausrichtung zur Realisierung des 2011 beim Parteikongress ausgerufenen Mottos beitrage, dass Vietnam »ein aktives und verantwortliches Mitglied der internationalen Gemeinschaft ist«.

Die Sozialistische Republik Vietnam hat von dem Gipfel auf vielfältige Weise profitiert. Für Hotels, Restaurants und Geschäftsleute klingelten die Kassen. Textilhändler produzierten gemixte Fahnen und T-Shirts mit den Konterfeis von Trump und Kim. Von den Berichten der mehr als tausend ausländischen Journalisten erwartet man einen Auftrieb für die Tourismusbranche.

Um größere Beträge ging es beim Treffen Trumps mit seinem vietnamesischen Amtskollegen Nguyen Phu Trong, der gleichzeitig Generalsekretär der KP Vietnams ist. Wie VNA berichtete, wurden mehrere Handelsverträge mit einem Gesamtvolumen von 21 Milliarden US-Dollar unterzeichnet, darunter der Kauf von 100 Boing 737. Bereits 2016 hatte Vietnam bei einem Besuch des damaligen US-Präsidenten, Barack Obama, 100 Flugzeuge dieses Typs gekauft.

Um über die weitere Kooperation zu beraten, traf Trump auch mit Ministerpräsident Nguyen Xuan Phuc zusammen. Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen 1995, 20 Jahre nach Kriegsende, ist eine vielseitige Zusammenarbeit entstanden, die selbst militärische Aspekte einschließt. US-Kriegsschiffe ankern in Da Nang, der einst größten US-Luftwaffen- und Marinebasis im Krieg gegen den sozialistischen Norden und die Befreiungsbewegung im Süden. Voriges Jahr war der Flugzeugträger »Carl Vinson« zu Besuch.

Das sozialistische Vietnam ist zu einer der führenden Wirtschaftsmächte Südostasiens aufgestiegen und belegt Platz 16 der wichtigsten US-Handelspartner. Rund 30.000 Vietnamesen befinden sich zu Studien, Praktika oder anderweitigen Fortbildungen in den USA. Im Juli 2015 war mit Nguyen Phu Trong erstmals ein Generalsekretär der KPV offiziell zum Besuch in die USA eingeladen worden. Trump bezeichnete diese »rasante wirtschaftliche Entwicklung« in seinen Gesprächen mit Kim Jong Un als »beispielhaft«.

Wenn ausländische Journalisten die Beziehungen Vietnams zum ehemaligen Kriegsgegner als Beispiel für Pjöngjang herausstellten, wurden gravierende Unterschiede meist unterschlagen. Vietnam ging aus diesem Krieg als Sieger hervor, auch wenn es das nicht vor sich her getragen hat und den USA die Hand zum Frieden reichte. Washington versucht indes, Vietnam im Konflikt mit China um die im Südchinesischen Meer gelegenen Spratly-Inseln auf seine Seite zu ziehen. Es sind vergebliche Versuche, die auch ohne Atomwaffen auf der konventionellen militärischen Stärke Hanois beruhen.

In Korea endete der Krieg 1953 mit einem Waffenstillstand, die Aggression der USA scheiterte, weil China der DVR Korea zu Hilfe kam. Kims Faustpfand in den Verhandlungen mit Trump ist sein atomares Potential. Es ist verständlich, dass er, die Lehren Libyens vor Augen, ohne zuverlässige Garantien auf diese Waffe nicht verzichten wird.

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