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Aus: Ausgabe vom 27.02.2019, Seite 10 / Feuilleton

Gloger, Feldmeier

Von Jegor Jublimov
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Grande Dame des Hans-Otto-Theaters: Rita Feldmeier als Haifa in »Occident Express«

In der DDR war sie eine der großen Bühnendarstellerinnen. Die in Schwerin geborene Christine Gloger war 25 Jahre alt, als ihr Triumphzug am Berliner Ensemble begann. Sie gastierte damals mit dem Meininger Theater am BE, und ihre Polly in Fritz Bennewitz’ Inszenierung der »Dreigroschenoper« war umwerfend. So wurde sie eine der festen Stützen am Berliner Brecht-Theater. Unter Erich Engel spielte sie bald wieder die Polly. Sie überzeugte in großen Rollen wie der Dascha in Heiner Müllers »Zement« ebenso wie in markanten Nebenrollen. Von Brechts Tochter Hanne Hiob übernahm sie die »Heilige Johanna der Schlachthöfe«, und Brechts Frau Helene Weigel spielte sie die Titelrolle in »Die Gewehre der Frau Carrar« überzeugend nach.

Gloger tourte durch die Sowjetunion, die Schweiz, Italien und Norwegen. Am Theater 89 in Berlin brillierte sie in den späten 90er Jahren in Hochhuths Einpersonenstück »Effis Nacht«. In einigen ihrer Bühnenrollen war sie auch im DFF zu sehen, etwa als Königin in Volker Brauns »Großer Frieden« (1989). Nur wenige Filmrollen konnte die auch als Hörspielsprecherin geschätzte Künstlerin übernehmen, so Hölderlins Mutter in »Hälfte des Lebens« (1985).

Sicherlich werden wir Christine Gloger in diesem Jahr auf dem Bildschirm wiederbegegnen können, etwa in ihren großen Fontane-Rollen in »Mathilde Möhring« und »Die Poggenpuhls« (1983/84). In die Freude wird sich tiefe Trauer mischen. Sie starb am 19. Februar, wenige Tage vor ihrem 85. Geburtstag am vergangenen Montag.

Am Beginn von Rita Feldmeiers Laufbahn stand Hochhuths Stück »Lysistrate und die NATO«. Die Rostocker Inszenierung wurde 1975 vom DFF übernommen, und im Jahr darauf trat die 22jährige ihr Engagement am Potsdamer Hans-Otto-Theater an, wo sie noch immer spielt, nun als »große alte Dame« (wenn man eine Künstlerin, die morgen erst 65 wird, so nennen darf). Sie hat an diesem Haus viel geleistet. Weil sie auch singen kann, spielte sie die Sally Bowles in »Cabaret«, verkörperte die Dietrich und die Knef. Unvergessen ist ihre Elisabeth in einer avantgardistischen Inszenierung der »Maria Stuart«. Im Fernsehen war Feldmeier immer wieder zu sehen – allein beim »Polizeiruf 110« zwischen 1988 und 2007 in acht verschiedenen Rollen. Ihre beste Kinorolle spielte sie 1989/90 bei der Defa. »Die Architekten« von Peter Kahane und Thomas Knauf erfasste die Situation des DDR-Nachwuchses, der nicht zum Zuge kommt, frappierend genau. Für Rita Feldmeier, die seit fast vier Jahrzehnten mit ihrem Kollegen Achim Wolff verheiratet ist, spielt die Bühne die Hauptrolle. Derzeit beeindruckt sie am Otto-Theater als Haifa, eine starke Frau auf der Flucht aus dem Irak, in dem Stück »Occident Express«.

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