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Aus: Ausgabe vom 21.02.2019, Seite 6 / Ausland
Arbeiterkampf in Schottland

Frauenstreik erfolgreich

Arbeiterinnen in Glasgow erkämpfen Ende der Lohnschere zwischen Männern und Frauen
Von Christian Bunke
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Für gleiche Bezahlung: Frauen und Männer demonstrierten am 7. Februar gemeinsam in Glasgow

Ein wichtiges Kapitel der jüngeren Geschichte der schottischen Arbeiter- und Frauenbewegung hat nach zwölf Jahren harter Auseinandersetzungen einen vorläufigen Abschluss gefunden. In der schottischen Großstadt Glasgow sind die Grundlagen zur Schließung der Lohnschere zwischen Männern und Frauen im kommunalen öffentlichen Dienst der Stadt geschaffen worden. Begleitet von einer von den Gewerkschaften Unison und GMB organisierten Großkundgebung vor dem Rathaus hat der Glasgower Stadtrat am 7. Februar einen Fahrplan beschlossen, um bis zum kommenden Juli Tausenden Frauen ausstehende Löhne zu bezahlen. Dies gilt laut Gewerkschaften auch für diejenigen, die in den letzten fünf Jahren für den öffentlichen Dienst gearbeitet haben.

Am 23. und 24. Oktober des vergangenen Jahres hatten bis zu 10.000 bei der Stadt Glasgow angestellte Frauen gestreikt, um eine Angleichung der Löhne an die der männlichen Kollegen zu fordern. Vor zehn Jahren hatte die damals in Glasgow regierende Labour-Partei die Lohnungleichheit beim städtischen Personal institutionalisiert. Frauen hatten dadurch einen rund drei Pfund niedrigeren Stundenlohn als die angestellten Männer. Seitdem haben die örtlichen Gewerkschaften aus Protest keinen neuen Tarifvertrag mit der Stadt mehr unterschrieben.

Männer leisteten ihren streikenden Kolleginnen an den beiden Streiktagen praktische Solidarität. So stand die Müllabfuhr an jenen Tagen still, weil die großteils männlichen Müllleute sich an dem Frauenstreik beteiligten. In Glasgower Arbeitervierteln wurden damals vielerorts Dankbotschaften auf Mülltonnen geklebt. Auch auf der Kundgebung am 7. Februar waren wieder Grüße an die Müllleute zu sehen.

Die Stadtverwaltung Glasgow sah das naturgemäß anders. Die derzeit regierende Scottish National Party überlegte zeitweise, britische Antigewerkschaftsgesetze gegen die Müllleute anzuwenden, ließ aber in letzter Sekunde aufgrund der überwältigenden Unterstützung für die Streikenden innerhalb der Bevölkerung davon ab.

Nun wird die Stadt Glasgow rund 500 Millionen Pfund mobilisieren, um den Frauen ihre ausstehenden Löhne zu zahlen. Das dafür benötigte Geld will die Kommune von der Barclays-Bank leihen. Dadurch entstehen jährliche Zinsen in Höhe von 35 Millionen Pfund welche die Stadt der Bank zu zahlen haben wird. Die Gewerkschaft Unison hat bereits angekündigt, aufpassen zu wollen, dass die Stadt ihre Bankschulden nicht über Einsparungen bei kommunalen Dienstleistungen wieder hereinholt.

Hier scheinen neue Konflikte angelegt, denn auch ohne die zusätzlich geliehenen Gelder sind der Stadt Glasgow Haushaltskürzungen in Höhe von 40 Millionen Pfund auferlegt worden. Unter diesen Bedingungen sollen im Frühjahr Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften beginnen. Weitere Streiks sind also möglich.

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