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Aus: Ausgabe vom 19.02.2019, Seite 7 / Ausland
Saudischer Kronprinz in Asien

Mit Scheckheft zur Bombe

Der saudische Kronprinz besucht Asien. Herzlicher Empfang bei Atommacht Pakistan. Kooperationen vereinbart
Von Gerrit Hoekman
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Mohammed bin Salman (M.) mit dem pakistanischen Staatspräsidenten Arif Alvi (2. v. l.) und Premierminister Imran Khan (2. v. r.)

In Europa und den USA hat der saudiarabische Kronprinz Mohammed bin Salman momentan ein Imageproblem. Stichwort: Mord an Dschamal Chaschukdschi (englische Umschrift: Khashoggi). Deshalb lotet der Thronnachfolger zur Zeit in Asien neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit aus. Ziele seiner Reise sind China, Indien und Pakistan.

Den Auftakt bildet ein Besuch in Islamabad, wo ihn am Sonntag Premierminister Imran Khan empfing. Der Gast wurde bereits sehnsüchtig erwartet, kam er doch nicht mit leeren Händen: Saudi-Arabien will rund 20 Milliarden US-Dollar in das wirtschaftlich angeschlagene Pakistan investieren, meldete die Nachrichtenagentur AFP am Sonntag.

Die Investitionen könnten unter anderem den Bau einer Erdölraffinerie im Seehafen von Gwadar und die Übernahme von zwei Kraftwerken umfassen, die im Moment noch dem pakistanischen Staat gehören. Saudi-Arabien will Pakistan zudem bei der Entwicklung alternativer Energieprojekte unterstützen. Bis die Details ausgehandelt sind, werde es aber wohl noch 18 Monate dauern, erfuhr der Sender Al-Dschasira am Montag vom Chef des staatlichen pakistanischen Planungsbüros.

Pakistan kann das Geld gut gebrauchen. Die Devisenreserve ist auf 9,2 Milliarden US-Dollar geschrumpft. Das reiche für die Importe von zwei Monaten, hat Al-Dschasira ausgerechnet. Saudi-Arabien rechnet indes mit der Zukunftsfähigkeit der pakistanischen Wirtschaft. »Das ist kein Almosen, das ist ein Investment«, betonte der saudische Außenminister Adel Al-Dschubeir. »Es gibt für beide Seiten Vorteile.«

Dabei muss der Vorteil für Saudi-Arabien gar nicht finanzieller Natur sein, der außenpolitische Gewinn ist größer. Pakistan unterhält bisher freundschaftliche Beziehungen zum Iran. Für Riad ist Teheran indes der »Hauptunterstützer des Terrorismus«, wie Dschubeir in Islamabad erneut betonte.

Das Ziel der saudischen Scheckbuchdiplomatie dürfte sein, über finanzielle Abhängigkeiten einen Keil zwischen Iran und Pakistan zu treiben. Zudem wachsen die Spannungen zwischen den beiden Staaten nach dem Selbstmordanschlag auf einen iranischen Militärkonvoi in der Provinz Sistan und Belutschistan, bei dem am vergangenen Mittwoch 27 Mitglieder der »Revolutionsgarden« ums Leben kamen.

Iran macht die salafistische Dschaisch Al-Adl (Gerechtigkeitsarmee) für den Anschlag verantwortlich und behauptet, die Gruppe würde von Pakistan aus operieren. Teheran beschuldigt zudem Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, die Miliz zu unterstützen. Der Iran verlangt nun von Pakistan, mehr gegen die Salafisten zu unternehmen. Islamabad hat Teheran seine umfassende Zusammenarbeit angeboten.

Stutzig macht, dass im Reiseplan des saudischen Kronprinzen auch ein Treffen mit dem Chef der pakistanischen Armee, Qamar Javed Bajwa, auf der Tagesordnung stand. Was hatten die beiden zu besprechen? Unlängst wurden Satellitenaufnahmen veröffentlicht, die eine verdächtige Fabrik in der saudischen Wüste zeigen. Rüstungsexperten halten es für möglich, dass dort Raketen gebaut werden sollen. Seitdem geht in der Region die Sorge um, Riad könnte heimlich nach der Atombombe streben.

Es ist auffällig, wie gerne sich das Land in letzter Zeit mit Atommächten umgibt – wobei die Annäherung an Israel besonders überraschend ist. Auch Pakistan besitzt die Bombe und ist allein deshalb schon für viele Staaten, wie auch Saudi-Arabien, ein interessanter Partner. Zumal es nicht ausgeschlossen ist, dass in Pakistan radikale Islamisten an die Macht kommen, von denen es in dem Land neben Dschaisch Al-Adl noch eine ganze Reihe anderer Gruppen gibt.

Kronprinz Mohammed sind gute Beziehungen mit Pakistan jedenfalls so wichtig, dass er noch in Islamabad die sofortige Freilassung von zwei Dritteln der insgesamt mehr als 3.000 in saudiarabischen Gefängnissen einsitzenden Pakistanis anordnete. Darum hatte der pakistanische Ministerpräsident Imran Khan gebeten, berichtete Al-Dschasira. Am Montag abend verließen Kronprinz Mohammed und seine Entourage, die aus tausend Untertanen bestehen soll, Pakistan in Richtung Indien. Noch eine Atommacht.

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