Gegründet 1947 Freitag, 22. März 2019, Nr. 69
Die junge Welt wird von 2173 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 16.02.2019, Seite 8 (Beilage) / Wochenendbeilage

Flan

Von Ina Bösecke
spices-2454799.jpg

Fünf Yogaübungen am Morgen, ein Glas Milch danach und unendlich viele Zigaretten über den Tag verteilt – das scheint das Geheimrezept von Lucky (Harry Dean Stanton) zu sein, der mit seinen 90 Jahren absolut unabhängig seine beschaulichen Tage in einer Kleinstadt im Südwesten der USA verbringt. Jeden Tag stiefelt der alte Mann ein paar Meilen durch die Straßen zu seinem Lieblingscafé, wo ihn der Kellner charmant mit den Worten »Du bist ein Nichts« begrüßt, die Lucky ebenso charmant erwidert. Ein paar Kannen Kaffee und viel Kreuzworträtsel – und schon muss er zurück nach Hause, um seine Gameshows im Fernsehen nicht zu verpassen. Am späten Abend gönnt sich Lucky in der Bar noch eine Bloody Mary und diskutiert die Begriffe, die ihm beim Kreuzworträtsel besonders im Gedächtnis geblieben sind, wie zum Beispiel den Begriff Realismus. Das sei die Praxis, eine Situation so zu akzeptieren, wie sie ist.

Die Situation, die der gleichnamige Protagonist in dem Film »Lucky« (USA 2017) von John Carroll Lynch akzeptieren muss, ist der nahende Tod. Denn das Leben ist endlich und Lucky, wie gesagt, bereits 90 Jahre alt. So weit wie er kämen nicht viele, versichert ihm der Arzt nachdem Lucky einfach so in seiner Küche umgekippt ist und nun wissen will, welche Krankheit er hat. Der Arzt gibt Lucky einen Lutscher, wahrscheinlich, um ihm die Vorstellung vom Tod zu versüßen. Aber Lucky ist Atheist und folglich hat er Angst vor dem Unvermeidlichen. Es bedarf verschiedener Gespräche und Begegnungen, um die Angst zu bekämpfen. Wirklich beeindruckend ist Luckys spontaner Auftritt auf dem Geburtstag des zehnjährigen Sohnes einer mexikanischen Verkäuferin, bei der er täglich seine Milch kauft. Nachdem die Verwandtschaft zu Gitarrenmusik für den Jungen gesungen hat, trägt Lucky ein umwerfend trauriges Lied auf spanisch vor. Umwerfend traurig ist der gesamte Film, ein Abschiedsgeschenk von und für den Schauspieler Stanton, der kurz nach Erscheinen des Films 91jährig starb.

Auf dem mexikanischen Geburtstagsfest wird Flan verteilt, ein typisches Dessert in Spanien und in vielen lateinamerikanischen Ländern. Flan schmeckt wie ein luftig leichter Pudding, wer ihn zubereiten kann, hat was vom Leben: 125 g Zucker mit einem Achtel Liter Wasser zu einem goldbraunen Karamell kochen. Vier Portionsförmchen mit dem Karamell ausgießen, dabei die Förmchen so schwenken, dass der Boden gleichmäßig mit Karamell bedeckt ist. Backofen auf 150 Grad vorheizen. Vier Eier, zwei Eigelb mit 125 g Zucker verrühren. Einen halben Liter Milch zum Kochen bringen, vom Herd nehmen, etwas abkühlen lassen. Unter die Eicreme rühren, dann durch ein Haarsieb in die Förmchen gießen. Förmchen in eine feuerfeste Form stellen, so viel heißes Wasser angießen, dass die Förmchen knapp zur Hälfte im Wasser stehen. Flan im vorgeheizten Ofen ca. 45 Minuten stocken lassen. Förmchen aus dem Wasserbad nehmen, abkühlen lassen. Drei Stunden kühlen. Vor dem Servieren jedes Förmchen in heißes Wasser tauchen. Mit einem scharfen Messer am Innenrand des Förmchens den Flan lösen, Förmchen umdrehen, auf einen Dessertteller stürzen.

Mehr aus: Wochenendbeilage