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Aus: Ausgabe vom 16.02.2019, Seite 3 (Beilage) / Wochenendbeilage

Ende der Veggie-Bundeswehr

Von Arnold Schölzel
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Schauriges steht im diesjährigen, kurz vor der sogenannten Sicherheitskonferenz (Siko) veröffentlichten »Münchner Sicherheitsreport«: Die Deutschen sehen in den USA eine größere Bedrohung als in Russland (49 Prozent zu 30 Prozent) und haben in internationalen Fragen mehr Vertrauen zu Wladimir Putin (35 Prozent) als zu Donald Trump (zehn Prozent). Ein Desaster nach jahrelanger Kärrnerarbeit in Staats- und Konzernmedien für den Nachweis, dass Krieg nur von Russland ausgeht und »der Iwan« demnächst wieder Richtung Berlin marschieren will.

Folgerichtig waren »der Russe« und dessen Bekämpfung beim medialen Schaulaufen sogenannter Experten vor der Siko das Hauptthema. Einige Beispiele: Am 5. Februar strahlte Arte die aufschlussreiche Dokumentation »Der neue Kalte Krieg. Mehr Atomwaffen für Europa?« aus (bis 5. Mai in der Arte-Mediathek), in der vor allem die Frage nach einer deutschen Atomwaffe erörtert wurde. Siko-Leiter Wolfgang Ischinger erwog dort, dass man über eine »nukleare Unterfütterung einer Europäischen Verteidigungsunion nachdenken könnte« – gestützt aufs französische Atomarsenal. Diese Variante deutscher Aufpäppelung ist einige Jahrzehnte alt, also erläuterte Ischinger am 10. Februar im Deutschlandfunk, warum er das als frisch serviert: »Wir können nicht erwarten, mit der russischen Seite aus einer Position relativer Schwäche erfolgreich verhandeln zu können.« Es drehe sich auch »um die uralte Frage, wie können wir für uns selber ein Mitrederecht erwirken, wenn es um die Einsatzplanung für amerikanische Nuklearwaffen in und um Europa geht.« Da hat sich seit 60 Jahren nichts geändert.

So sieht das auch der frühere deutsche Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU). Gewohnt aufrüstungsgeil rügte er ebenfalls am 10. Februar im Tagesspiegel am Sonntag die »Zerstörung der Bundeswehr durch den CSU-Minister zu Guttenberg«, will aber keine neuen Atomraketen, sondern nationales Klotzen: Die Bundeswehr müsse »zur stärksten konventionellen Streitmacht Europas werden«. Und regte sich über eine »zweite Fehlentwicklung« auf: »Vor gut 20 Jahren haben wir im Kampf um Sarajevo deutsche Flugzeuge mit scharfen Raketen eingesetzt.« Gerhard Schröder und Joseph Fischer in der SPD/Grünen-Regierung hätten »den Mut« besessen, das im Kosovokrieg fortzusetzen. Aber seit 2005, also dem Regierungsantritt Angela Merkels, »haben wir nur Flugzeuge mit Kameras eingesetzt.« Das sei eine »Sonderrolle«, die nicht trage: »Die Deutschen fotografieren, die andern bombardieren.« Nach der Kündigung des INF-Vertrages sei es nötig, »unsere konventionellen Kräfte zur Abschreckung zu verstärken« und die atomar bestückten Flugzeuge der »nuklearen Komponente der Abschreckung« zu erneuern. Denn: »Deutsche Soldaten verteidigen Deutschland nicht an der Oder, sondern an den Außengrenzen der NATO.« Es gibt doch Fortschritte seit Gründung der Bundeswehr.

Am 14. Februar meldete sich schließlich noch der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Jürgen Hardt (CDU), in der Welt unter der Schlagzeile »Warum nur 1,5 Prozent? Warum erst 2024?« zu Wort. Mehr Geld und in kürzerer Frist also, denn »keine Option des Westens« dürfe »von vornherein ausgeschlossen werden«. Denn nur deutsche Stärke beeindruckt den russischen Meister Petz. Daher Hardts Begründung: »In einer Welt von ›Fleischfressern‹ dürfen die robusten Elemente unserer Sicherheit nicht vernachlässigt werden.«

Irak, Somalia, Jugoslawien, Kosovo, Afghanistan, Mali oder Syrien – das war fast 30 Jahre lang Pflanzenfressen und Fotografieren mit einer Botanisier- und Veggie-Bundeswehr. Kein Wunder, dass die Grünen die zur Zeit kriegsgeilste deutsche Partei sind. Wenn es demnächst endlich Fleisch fürs Militär gibt, dann garantiert Bio.

Irak, Somalia, Jugoslawien, Kosovo, Afgha­nistan, Mali oder Syrien – das war fast 30 Jahre lang Pflanzenfressen und Fotografieren mit einer Botanisier- und Veggie-Bundeswehr. Kein Wunder, dass die Grünen die zur Zeit kriegsgeilste deutsche Partei sind.

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