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Aus: Ausgabe vom 15.02.2019, Seite 1 / Ausland
NATO in Afghanistan

USA wollen in Afghanistan bleiben

Washington sichert NATO-Staaten zu, Besatzungstruppen vorerst nicht abzuziehen
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Vorerst kein Rückzug: US-Kriegsminister Patrick Shanahan am Montag beim Truppenbesuch in Kabul

Die USA haben den NATO-Partnern zugesichert, nicht ohne vorherige Absprache Soldaten aus Afghanistan abzuziehen. »Es wird keine unilaterale Truppenreduzierung geben«, sagte der geschäftsführende US-amerikanische Verteidigungsminister Patrick Shanahan am Donnerstag nach Beratungen mit Amtskollegen in Brüssel. Man werde sich abstimmen.

Shanahan reagierte damit auf Befürchtungen von Ländern wie der Bundesrepublik, dass die USA über einen unabgesprochenen Abzug von Soldaten den Ausbildungseinsatz der NATO gefährden könnten. Dies könnte der Fall sein, weil die Fähigkeiten der US-Truppen als existenziell wichtig für den Einsatz in seiner derzeitigen Form gelten. Das gilt zum Beispiel für Bereiche wie Notfallevakuierung oder Aufklärung.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zeigte sich nach dem Treffen zufrieden. »Es ist sehr schön gewesen, dass der amerikanische Kollege klar Stellung bezogen hat«, sagte sie. Shanahan habe versichert, dass es »keine einsamen, einseitigen Entscheidungen« der USA geben werde und dass jeder strategische Schritt in Afghanistan im Kreis der NATO-Verteidigungsminister besprochen werde.

Zudem sei festgehalten worden, dass die Frage der internationalen Präsenz vor allem an Fortschritte im Friedensprozess in Afghanistan gekoppelt sei. Hintergrund der Debatte bei der NATO waren die derzeit laufenden Gespräche der USA mit den aufständischen Taliban. Sie sollen den Weg für eine politische Friedensregelung ebnen, der es Präsident Donald Trump erlauben könnte, möglichst schnell viele US-amerikanische Soldaten nach Hause zu holen.

In der NATO werden die US-Pläne zum Teil sehr kritisch gesehen. Dort wird unter anderem befürchtet, dass es im Fall eines schnellen Truppenabzugs wieder zu einer »Destabilisierung« des Landes und zu »Rückschritten bei Demokratie und Menschenrechten« kommen könne.

Laut offiziellen Angaben des Bündnisses waren die USA zuletzt mit 8.475 Armeeangehörigen am Einsatz »Resolute Support« beteiligt. Sie stellten damit rund die Hälfte der aktuell 16.919 Soldaten. (dpa/jW)

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