Gegründet 1947 Dienstag, 23. April 2019, Nr. 94
Die junge Welt wird von 2181 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 14.02.2019, Seite 8 / Ansichten

Erfolgsgarant des Tages: Markus Söder

Von Felix Jota
RTS1ZTZ4.jpg
Weiß genau, was gut für »Deutschland« ist: Markus Söder (Abensberg, 3.9.2018)

Wer nicht mit einem goldenen Löffel im Mund zur Welt gekommen ist, kann sich in diesem Land zumindest auf eines verlassen: vom politischen Herrschaftspersonal regelmäßig verhöhnt zu werden. Markus Söder, Vorsitzender einer Partei, die zur Verschleierung ihres Geschäftszwecks die Wörter »christlich« und »sozial« im Namen führt, hat gerade wieder zugelangt. »Hartz IV ist ein Erfolgsmodell – nicht für die SPD, aber für Deutschland«, sagte der CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident laut dpa am Dienstag vor der Sitzung des Koalitionsausschusses in Berlin.

Was die SPD angeht, hat Söder mit seiner Bemerkung zweifellos recht, haben die Sozis sich doch mit der Agenda 2010 entschlossen und eigenhändig ins politische Koma befördert. Natürlich denkt die Union nicht im Traum daran, an den verzweifelten Versuchen des Berliner Koalitionspartners mitzuwirken, aus dem Schlamassel wieder herauszukommen. Keine Überraschung also, dass der CSU-Mann erklärte, es komme überhaupt nicht in Frage, »alles rückabzuwickeln«.

Auch der zweite Teil von Söders Aussage ist nicht ganz falsch, sofern man mit »Deutschland« Konzerne, Politiker, Wirtschaftsbosse, Vermögende und saturierte Mittelschichtler meint. Die haben vom Verarmungs- und Umverteilungsprogramm Hartz IV sicher profitiert. Wer dagegen vom »Regelsatz« von 424 Euro im Monat leben muss, nicht weiß, wie er die Reparatur der Waschmaschine bezahlen soll, seit Jahren nicht mehr im Urlaub oder im Kino war – dem dürfte dieses »Erfolgsmodell« so sympathisch nicht sein.

Es fragt sich nur, wann diese Abgehängten Söders Hinweis, dass sie nicht gemeint sind, wenn er »Deutschland« sagt, ernst nehmen und sich zum Beispiel mal vor einem Jobcenter versammeln. Angetan mit diesen gelben Westen, über die jetzt so viel geredet wird, die man östlich des Rheins aber bisher nur auf Baustellen oder bei der Absicherung von Unfallstellen trägt.

Mehr aus: Ansichten