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Aus: Ausgabe vom 13.02.2019, Seite 16 / Sport
Kampfsport

Schnell wie eh und je

Zurück aus dem Papaurlaub: Mixed-Martial-Arts-Kämpfer Cain Velasquez feiert sein Comeback
Von Rouven Ahl
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Tut weh: Cain Velasquez gegen Junior Dos Santos, »Schwergewichtsweltmeisterschaft«, 2013

Zwei Jahre sind eine lange Zeit, zumal im Kampfsport. Wer über diesen Zeitraum nicht im Ring stehen konnte, wird es bei seiner Rückkehr in den professionellen Betrieb höchstwahrscheinlich sehr schwer haben. Umso gespannter blickt die Welt der Mixed Martial Arts (MMA) auf die Rückkehr des US-Amerikaners Cain Velasquez ins sogenannte Oktagon, wie der Schauplatz der Kämpfe aufgrund seiner acht Ecken genannt wird.

Schwergewichtler Velasquez, der seinen letzten Kampf vor 30 Monaten bestritt, trifft im Rahmen der Ultimate Fighting Championship (UFC, der Marktführer in Sachen MMA-Kämpfe) am 18. Februar in Phoenix, Arizona auf Francis Ngannou. In diesem Kampf wird wohl auch entschieden werden, wer sich nach dem bevorstehenden Rücktritt von Schwergewichtslegende Daniel Cormier gemeinsam mit Stipe Miocic zukünftig um die Krone dieser Gewichtsklasse streiten wird.

Vor seiner Auszeit hielt Velasquez den Titel im Schwergewicht bereits zweimal. Der 36jährige galt zu seiner Hochzeit als einer der weltbesten MMA-Kämpfer. Doch er war immer wieder vom Verletzungspech geplagt. Kein Wunder – MMA ist eine brutale Sportart. So darf auch auf einen am Boden liegenden Gegner eingedroschen werden. Duelle in der UFC sind häufig eine sehr blutige Angelegenheit. Kein anderer Sport ist näher verwandt mit den Gladiatorenkämpfen im alten Rom.

Es waren allerdings nicht nur Verletzungen, die Velasquez für mehr als zwei Jahre von den Kämpfen im Octagon abhielten, die Familienplanung kam ihm außerdem dazwischen. »Als wir unsere Tochter bekamen – sie ist jetzt neun Jahre alt –, war ich gerade auf dem Höhepunkt meiner Karriere und war nicht da für das ganze Babyzeug«, wird er auf mmafighting.com zitiert. »Das war hart für mich, da man eben nicht an zwei Orten auf einmal sein kann.«

Für ihn sei es damals schwierig gewesen, zwischen Brotverdienst und Familienleben eine gesunde Balance zu finden. Bei seinem Sohn wollte er den Fehler nicht noch einmal machen: Obwohl er 2018 einen neuen Vertrag über vier Kämpfe unterzeichnet hatte, nahm er sich für das gesamte Jahr Papaurlaub.

Trainer Javier Mendez geht nicht davon aus, dass die über zweijährige Auszeit Velasquez geschadet haben könnte. »Er trainiert nun schlauer und weiß, wann er sich auch mal zurücknehmen muss.« »Eigentlich hat ihm die Auszeit sogar geholfen, sein Körper konnte sich erholen, und er ist so schnell wie eh und je«, sagt Mendez und fährt fort: »Er schlägt sogar noch härter zu und ist motivierter als jemals zuvor.« Der Kampf ist zudem so etwas wie ein Heimspiel für Velasquez, der nicht weit von Phoenix entfernt in der Stadt Yuma aufwuchs. An der Arizona State University gilt er heute noch als Legende im Ringen.

Velasquez’ mentale und körperliche Härte wurden bereits in jungen Jahren geschult, als er in den heißen Sommern an der mexikanischen Grenze bei der Ernte von Wassermelonen half. Ein echter Knochenjob, den er heute als »Folter« bezeichnet.

Mit dem kamerunischen Franzosen Ngannou wartet nun einer der härtesten Puncher der gesamten UFC auf Velasquez. Trainer Mendez über den Gegner: »Kann Cain ihn schlagen? Absolut. Kann Cain ihn zerstören? Absolut. Aber kann Cain von jemandem ausgeknockt werden, der mit der Härte eines verdammten Zuges zuschlägt? Ja.«

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