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Aus: Ausgabe vom 13.02.2019, Seite 10 / Feuilleton

Köfer, Greiff, Möck

Von Jegor Jublimov
Die Schauspieler Herbert Köfer als armer Nachbar spielt am Diens
Dienstältester Aktiver: Herbert Köfer in »Jedermann« im Berliner Dom, 2009

Zunächst einen Gruß zum 98. Geburtstag an den ältesten aktiven Schauspieler der Welt. Herbert Köfer, den man heute wegen des vollen Terminkalenders schwer zu fassen bekommt, begann seine Laufbahn noch im Krieg beim Theater und war seit den frühen 50er Jahren von Bildschirm und Leinwand in der DDR nicht wegzudenken, wobei besonders seine ernsten Rollen, etwa in »Nackt unter Wölfen« (1963) nach Bruno Apitz und »Wolf unter Wölfen« (1965) nach Hans Fallada, Maßstäbe setzten. In »Rom, Via Margutta«, einem heute vergessenen Fernsehspiel von Elfriede Brüning, spielte er 1962 neben Dietlinde Greiff, die auf den Tag 18 Jahre jünger ist, also am Sonntag 80 wird.

In ihrer kurzen Laufbahn hat die gebürtige Pankowerin, die 1959 ihren ersten Film drehte, vieles geschafft. Sie spielte nach der Ausbildung an der Babelsberger Filmhochschule erfolgreich Theater in Rostock, Schwerin, Altenburg und Rudolstadt, trat im Fernsehen auf, wo sie sich auch als Moderatorin öffentlicher Shows ausprobierte, und wurde in Spielfilmen bekannt. Für einen, »Schritt für Schritt«, in dem sie die Tochter von Gisela May spielte, erhielt sie 1960 die Verdienstmedaille der NVA in Bronze. Mitte der sechziger Jahre schraubte sie wegen ihrer zwei Söhne die Arbeit zurück und ging 1970 der Liebe wegen in den Westen. Hier ließ sie sich im medizinischen Bereich ausbilden und engagierte sich in der Gewerkschaft für ihre Kollegen, u. a. als Frauenbeauftragte der FU. Durch den Kontakt mit DEFA-Kollegin Angela Brunner fand die Greiff in den 90er Jahren zur Bühne zurück. Wegen ihrer Rheumaprobleme endete das Filmcomeback 2013 in den Anfängen. Mit Leseprogrammen, jüngst zu Rosa Luxemburg, tritt sie bis heute auf. Oder sie wird als Zeitzeugin befragt, etwa zum Manfred-Krug-Film »Der Kinnhaken«, der 1962 die Zeit des Mauerbaus thematisierte.

Vor genau 31 Jahren konnte sich der aus Sangerhausen stammende Schauspieler Manfred Möck erstmals die Mauer von der anderen Seite ansehen. Als einer der beiden Hauptdarsteller von Lothar Warnekes DEFA-Film »Einer trage des anderen Last« war er 1988 Gast der Berlinale und erhielt prompt gemeinsam mit Jörg Pose einen Silbernen Bären. Ein Vikar und ein Volkspolizist teilen sich ein Zimmer im Sanatorium und fechten ihre Meinungsverschiedenheiten aus. Sicherlich bleibt Möck, der morgen 60 wird, vor allem als dieser Vikar in Erinnerung, obwohl er auch andere Hauptrollen spielte (z. B. die Titelrolle der DFF-Serie »Vorsicht, Falke!«, 1991). Inzwischen hat sich der geschätzte Schauspiellehrer auf markante Nebenrollen verlegt, zuletzt etwa bei »Donna Leon« und in »Werk ohne Autor«.

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