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Aus: Ausgabe vom 13.02.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Energie

Altmaier will USA milde stimmen

Wirtschaftsminister plant LNG-Terminal, um Flüssiggasimporte zu ermöglichen
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Gastanker liegt an Anlegestelle zur Verladung von Flüssiggas in Stade (18.9.2018)

Lange gab es Kritik aus Washington an der Abhängigkeit Deutschlands von russischem Erdgas. Nun will Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) die Regierung der USA milde stimmen und für eine Diversifizierung der Erdgasimporte sorgen. Aus diesem Grund traf sich Altmaier am Dienstag mit dem US-amerikanischen Vizeenergieminister Dan Brouillette auf der »Konferenz zur Entwicklung des Flüssiggas (LNG)-Importmarktes« in Berlin.

Drei potentielle Standorte werben um den Bau eines Flüssigerdgasterminals (kurz: LNG, liquified natural gas), das spätestens 2022 in Betrieb genommen werden soll. Unter den möglichen Standorten befinden sich Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Stade. Altmaier sei zuversichtlich, dass »mindestens« zwei Terminals zum Import des Flüssiggases gebaut werden. Somit signalisiert er den USA, dass Deutschland sich nicht nur auf Pipelinegas aus Russland verlässt, sondern auch US-Flüssiggas importieren lassen will.

US-Diplomat Richard Grenell verurteilte noch am Sonntag den von der Bundesregierung unterstützen Bau der Gaspipeline »Nord Stream 2«: »Wenn Deutschland wirklich wegen russischer Nuklearwaffen besorgt ist, sollte es dann nicht darauf verzichten, Moskau mehr Einfluss zu geben, indem es russisches Gas kauft?«, sagte Grenell der Welt. Das EU-Parlament und 16 europäische Staaten teilten den Einspruch der USA gegen den Bau der Pipeline, einigten sich aber am Freitag auf einen Kompromiss mit Deutschland.

In der BRD gibt es bisher noch kein Importterminal für LNG. Altmaier kündigte zudem staatliche Förderung für die LNG-Anlagen an. Konkrete Zahlen wollte er nicht nennen. Es handle sich um »substantielle, aber überschaubare Beträge«. Der Bundeswirtschaftsminister wolle das Thema mit der Bundesnetzagentur besprechen.

Vor allem Washington will mehr Flüssiggas in der EU verkaufen. Entsprechend erfreut zeigte sich der US-Vizeenergieminister am Dienstag auf der Investorenkonferenz im Wirtschaftsministerium. Als Lieferant stehen die USA bereit, einen großen Teil der Nachfrage der EU zu decken.

Dieses gilt aber bisher noch als zu teuer und nicht wettbewerbsfähig. Das liegt am aufwendigen Verflüssigungsverfahren: Erdgas muss erst auf minus 160 Grad Celsius abgekühlt werden, bevor es flüssig wird und in den Tankern transportiert werden kann. In Deutschland wird auch aus Sicht Altmaiers in einer Übergangszeit künftig mehr Gas zur Energieversorgung benötigt. Deutschland steigt bis Ende 2022 aus der Kernenergie aus und lässt zugleich schrittweise die Kohleverstromung auslaufen.

Die Linkspartei kritisierte das Vorhaben. »Deutschland braucht kein Frackinggas aus den USA«, erklärte der wirtschaftspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Die Linke Klaus Ernst. Dieses Gas sei im Vergleich zu konventionell gefördertem, per Pipeline transportiertem Gas nicht nur teurer, sondern auch klimaschädlicher. Außerdem benötige die Pipeline durch die Ostsee, »Nord Stream 2«, im Gegensatz zur staatlichen Förderung für LNG-Terminals keine öffentlichen Gelder, so Ernst. (dpa/jW)

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