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Aus: Ausgabe vom 11.02.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
EU-Austritt

Erneut Warnung vor »hartem Brexit«

Studie: Ungeregelter EU-Austritt gefährdet in Deutschland mehr als 100.000 Jobs
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Stoppt der »Brexit« die Konjunktur? Vieles spricht Ökonomen zufolge dafür. Arbeiter bei VW in Wolfsburg

Warnung oder Kaffeesatzlesen vor einem »No-De al-Brexit«? Bei einem britischen EU-Austritt ohne Kompromiss- und Auffanglösung sind nach einer Studie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) mehr als 100.000 deutsche Arbeitsplätze gefährdet. Die Analyse ergibt, dass vor allem Standorte von Technologiekonzernen und der Automobilindustrie betroffen wären, wie die Welt am Sonntag berichtete. Zum Gewinner beim »Brexit« könnten unterdessen die Niederlande werden: Sie konnten bereits mehr als 40 Unternehmen aus Großbritannien abwerben.

Ökonomen vom IWH und der Martin-Luther-Universität Halle-­Wittenberg hatten in einer Analyse den sogenannten harten Brexit durchgespielt und den Effekt bis auf Landkreise und kreisfreie Städte in Deutschland ausgerechnet. Demnach stünden etwa im schwäbischen Landkreis Böblingen, wo unter anderem IBM, Siemens und Automobilbetriebe angesiedelt sind, 726 Jobs auf dem Spiel.

Im Märkischen Kreis im südlichen Westfalen gehe es um 703 Stellen. Dort gibt es viele Mittelständler, die globale Marktführer auf ihrem Gebiet sind.

Besonders harte Einschnitte brächte der unkontrollierte Austritt der Briten für Beschäftigte in Wolfsburg und im niederbayerischen Dingolfing-Landau, stellten die Ökonomen fest. Der Grund: Bei Volkswagen und BMW sowie Kfz-Zulieferern gibt es hier die meisten Jobs.

»Die Beschäftigungseffekte eines harten Brexits würden vor allem an den Automobilstandorten spürbar werden«, erklärte Holtemöller. Die Bundesrepublik als ökonomisches Kernland der EU und als große Exportnation hätte unter dem Austritt besonders zu leiden. »In keinem anderen Staat ist der Effekt auf die Gesamtbeschäftigung so groß wie in Deutschland«, betonte der Ökonom.

Die niederländische Agentur für Auslandsinvestitionen teilte derweil mit, die Investitionen für die Neuansiedlung von Unternehmen aus Großbritannien in den Niederlanden beliefen sich derzeit auf rund 290 Millionen Euro. Sie bringen knapp 2.000 Arbeitsplätze mit. Die Regierung in Den Haag begrüßte die Entscheidung der Unternehmen ausdrücklich. Die meisten der Firmen seien britisch, es seien aber auch Filialen von Unternehmen etwa aus den USA oder Asien darunter. (AFP/jW)

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