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Aus: Ausgabe vom 09.02.2019, Seite 2 / Inland
Preispolitik der Deutschen Post

»Es sind nicht nur einzelne betroffen«

Verdi-Gruppe zeigt Solidarität mit junge Welt wegen drastischer Preissteigerung durch Deutsche Post. Ein Gespräch mit Jan Schulze-Husmann
Interview: Jan Greve
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Gelber Monopolist: Die Deutsche Post erhöht die Preise für die Zustellung von Zeitungen und anderem gerne und regelmäßig

Mitte November 2018 teilte die Deutsche Post dem Verlag 8. Mai mit, dass die Preise für die Auslieferung der jungen Welt ab 2019 drastisch angehoben werden. Die Erhöhung um 28,5 Prozent bedeutet zusätzliche Kosten von rund 90.000 Euro im Jahr und bedroht die Existenz der Zeitung. Was haben Sie gedacht, als Sie davon gehört haben?

Mein erster Gedanke war, dass das eine Unverschämtheit ist. Preiserhöhungen in einem normalen Rahmen ist man ja gewohnt, aber in dieser Art finden sie in der Regel nicht statt.

Bei einer Konferenz der Verdi-Bundesfachgruppe »Verlage, Druck und Papier« am vergangenen Wochenende wurde ein Antrag zur Unterstützung der jungen Welt einstimmig angenommen. Wie wurde das Thema von den Kollegen diskutiert?

Die Empörung im positiven Sinne war einhellig. Es gab keinen Zweifel, dass hier Solidarität gezeigt werden muss. Der Antrag zielte in zwei Richtungen. Zum einen ging es darum, der Belegschaft der jungen Welt die Solidarität zu versichern. Zum anderen sollte damit innerhalb wie außerhalb von Verdi für Öffentlichkeit gesorgt werden. Wir haben die Delegierten und Kolleginnen, die bei der Konferenz waren, gebeten, in ihren jeweiligen Verdi-Gliederungen für entsprechende Verbreitung zu sorgen. Dafür gab es breite Unterstützung.

In dem Antrag steht, dass die junge Welt eine besondere Bedeutung für Gewerkschafter hat. Ist das Mehrheitsmeinung bei Verdi?

Ich kann nicht für alle Gewerkschaftsgliederungen sprechen. Mit Blick auf meine täglichen Gespräche und die Diskussionen in den Gremien, in denen ich tätig bin, kann ich aber sagen, dass durchaus registriert wird, dass in der Zeitung Gewerkschafterinnen oder Beschäftigte im Originalton zu Wort kommen. Das nehmen die Kollegen durchaus wahr – wobei sicherlich auf allen Ebenen dafür gesorgt werden könnte, die junge Welt noch bekannter zu machen. Vielleicht kann das Thema Post dafür jetzt der Anlass sein.

Welche Auswirkungen hat die Preispolitik der Post auf die Branche, die Sie vertreten?

In meiner Wahrnehmung wird Kritik an der Post größtenteils intern geäußert. Das hat vielleicht etwas damit zu tun, dass es sich bei dem Konzern um einen Monopolisten handelt. Es gibt durchaus Verärgerungen, gerade auch wegen der Preispolitik – aber aus Sorge vor Konfrontation werden diese nicht öffentlich gemacht. Der Fall der jungen Welt ist die Möglichkeit, ein Signal nach außen zu setzen.

Wird in der Branche wahrgenommen, dass sich das Gebaren der Post gegenüber junge Welt künftig auch auf andere Verlage oder Zeitungen ausweiten könnte?

Der Diskussionsprozess darüber ist jetzt erst richtig ins Rollen gekommen. Bislang wurde das nicht so wahrgenommen, sondern eher allgemein über den Zustand der Zeitungs- und Verlagsbranche gesprochen.

Wie würden Sie den beschreiben?

Die Branche befindet sich in einem Umwälzungsprozess. Neben anderem wirkt sich die Digitalisierung auf die Arbeitsbedingungen der Kolleginnen und Kollegen aus. Damit beschäftigen wir uns bei Verdi regelmäßig und versuchen, darauf zu reagieren. Dieser Umbruch bietet aber auch Chancen, etwa für uns als Gewerkschaft einen höheren Organisierungsgrad zu erreichen und die Beschäftigten dazu zu bringen, sich zu engagieren. Wir werden den Kopf nicht in den Sand stecken.

Es handelt sich um eine Branche, deren Arbeitsprodukte Pressevielfalt und Meinungsfreiheit widerspiegeln sollen. Täuscht der Eindruck, oder ist angesichts dieser elementaren Funktion der Protest gegen insgesamt schwieriger werdende Bedingungen viel zu gering?

Der täuscht nicht. Ich bin aber optimistisch, dass sich noch einiges entwickeln wird.

Ist da bislang genug getan worden?

Mehr geht immer, das ist klar. Wir sind mit unserer Fachgruppe aber durchaus auf einem guten Weg.

Sie haben davon gesprochen, dass mehr Öffentlichkeit hergestellt werden muss. Was ist darüber hinaus seitens der Gewerkschaften konkret zu tun?

Ein zentraler Punkt ist die Vernetzung. Die Betroffenen aus den verschiedenen Verlagen müssen sich zusammenschließen. Das ist der praktische Ausdruck von gewerkschaftlicher Solidarität, der Kerngedanke geradezu. Es sind nicht nur einzelne betroffen, von daher wird man alleine gegen die Entwicklung wenig ausrichten können.

Jan Schulze-Husmann ist Mitglied im geschäftsführenden Vorstand der Bundesfachgruppe »Verlage, Druck und Papier« bei Verdi

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