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Aus: Ausgabe vom 06.02.2019, Seite 11 / Feuilleton

Zahavi, Michelsen, Agde

Von Jegor Jublimov
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Meister des Fernsehfilms: Dror Zahavi

Dror Zahavis bisher einziger Kinofilm »Alles für meinen Vater« (2008) erzählt die Geschichte eines Palästinensers, der von Extremisten als Selbstmordattentäter eingesetzt wird. Da seine Bombe zunächst nicht zündet, muss er auf Ersatzteile warten und deshalb Zeit in Tel Aviv verbringen. Dort begegnet er Juden, die selbst unter jüdischen Fundamentalisten leiden, lernt, die Menschen auf der anderen Seite des Konflikts zu verstehen. Der Film, der u. a. in Moskau und Sofia Preise gewann, erzählt auch ein Stück von Zahavis eigener Zerrissenheit. In einem armen Viertel in Tel Aviv aufgewachsen, wurde er atheistisch und zum Kriegsgegner erzogen. Der Filmfan machte bittere Erfahrungen, die ihn mit 23 bewogen, ein Filmstudium an der Babelsberger Filmhochschule »Konrad Wolf« aufzunehmen. Sein Diplomfilm »Alexander Penn – Ich will sein in allem« über einen russisch-jüdischen Dichter entstand durch Fürsprache seines Rektors Lothar Bisky und wurde 1988 für einen Studenten-Oscar nominiert. Seit 1991 lebt Dudu, wie ihn seine Freunde nennen, ständig in Berlin und hat für seine über 30 Fernsehfilme und -serien zahlreiche Preise erhalten. Darunter sind viele Krimis, aber auch Arbeiten über Antisemitismus, wie die Adaption von Marcel Reich-Ranickis Erinnerungen »Mein Leben« (2009). Heute kann er seinen 60. Geburtstag feiern.

In Zahavis aufwendigem Zweiteiler »Der geheimnisvolle Schatz von Troja« (2007) über Heinrich Schliemann spielte Claudia Michelsen eine der Hauptrollen. Die Tochter des Dresdner Komponisten Udo Zimmermann wurde am Montag 50. Am Ende ihrer Studienzeit in Berlin stand sie bereits mit 20 Jahren bei DEFA und DFF vor der Kamera, u. a. als Müntzers Frau in »Ich, Thomas Müntzer, Sichel Gottes«. Inzwischen sind es über 100 Rollen, die sie gespielt hat, darunter auch solche in internationalen Produktionen. Umwerfend war sie im Fernsehen als Westberliner Tanzschulbesitzerin in »Ku’damm 56« (2016) und »Ku’damm 59« (2018) sowie im Kino als Celia Peachum in »Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm« (2018).

Oft ist es findigen Historikern zu danken, wenn längst vergessene Filme aus früheren Epochen neu entdeckt werden. Ein solcher wurde anlässlich seines 80. Geburtstages gestern abend im Berliner Zeughauskino mit der Aufführung des sowjetischen Films »Leuchte, mein Stern, leuchte« geehrt. Günter Agde hatte mit 18 sein Studium an der Theaterhochschule Leipzig begonnen, arbeitete als Dramaturg an kleineren Theatern, ehe er als Journalist für die FF dabei und den Filmspiegel schrieb. Er war Erwin Geschonnecks »Ghostwriter« bei dessen Erinnerungen und verfasste ein Buch über Kurt Maetzig. Zu dessen Lebenswerk hatte er auch promovierte. Bis heute ist er einer der wichtigsten Forscher zur Filmgeschichte von DDR und Sowjetunion.

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