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Aus: Ausgabe vom 01.02.2019, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Noch mal nachgezählt

Informationen am Morgen | Do., 7.15 Uhr, Deutschlandfunk
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Es muss nicht immer gleich Liebe sein: Der AfD-Abgeordnete Daniel Rottmann (l.) gibt im Stuttgarter Landtag seinem Parteikollegen Wolfgang Gedeon (r.) die Hand (9.6.2016)

Differenzieren will gelernt sein. Vor allem, wenn man rhetorisch so geschickt wie möglich dabei sein will, die Machenschaften einer völkischen Partei zu relativieren. Michael Wolffsohn versuchte das auf seine Weise im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Der rechte Historiker weiß am frühen Morgen zu berichten: »Zur Demokratie gehören die Gegensätze.« Er sei dafür, »fair mit der AfD umzugehen«. Was nicht von bürgerlichen Institutionen als verfassungsfeindlich gebrandmarkt wird, ist politisch also unverdächtig. Dass die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, in ihrer Rede im Bayerischen Landtag vergangene Woche klar Stellung gegen die AfD bezog, gefällt Wolffsohn nicht. Seine Meinung zu ihrer Bewertung, es handele sich um eine antisemitische Partei: »Das ist sehr problematisch so festzustellen.« Da zählt Wolffsohn lieber noch mal nach und kann beruhigt feststellen: »Ja, es gibt Herrn Höcke, ja, es gibt Herrn Gedeon, ja es gibt Antisemiten in der AfD, aber eben nicht nur.« (jg)

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