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Aus: Ausgabe vom 28.01.2019, Seite 11 / Feuilleton
Gegenkultur

Neustart der Melodie & Rhythmus gefeiert

»Volle Breitseite gegen den rechten Zeitgeist«: Susann Witt-Stahl und Robert Newald
Kämpferischer Sprechgesang: Der 21jährige Tupamaro
Wer hierzulande etwas Eigenes macht, ist schon Gegenkultur, sagt Maike Rosa Vogel

Sie ist ein kämpferisches Projekt, die Melodie & Rhythmus. Das sagte die Chefredakteurin des Magazins, Susann Witt-Stahl, am Freitag im Maschinenhaus der Kulturbrauerei in Berlin. Zahlreich waren Leser und Unterstützer erschienen, um den Neustart der Zeitschrift aus dem Verlag 8. Mai ausgiebig zu feiern – »mit einer Salve Gegenkultur und einer vollen Breitseite gegen den rechten Zeitgeist«, wie es in der Einladung hieß. Im Gegensatz zum Mainstream der Kulturindustrie »wissen wir, auf welcher Seite wir stehen«, so Witt-Stahl.

Im Vortrag des österreichischen Fotografen Robert Newald wurde deutlich, was das bedeutet. In mehr als 35 Jahren hat Newald die Entwicklung des Neofaschismus in seinem Land dokumentiert. Das erste Bild, das er an dem Abend präsentierte, stammt aus dem Jahr 1982 und zeigt den damals 24jährigen österreichischen Neonazi und Holocaustleugner Gottfried Küssel, der 2013 dann wegen Volksverhetzung zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. »Man soll seinen Gegner gut kennen«, sagte der Fotograf. Den Nazi und früheren österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim, den früheren FPÖ-Chef Jörg Haider, den Holocaustleugner David Irving, den heutigen Vizekanzler Österreichs, Heinz-Christian Strache – sie alle hat der 1956 geborene Newald bei verschiedenen Veranstaltungen im Kreis ihrer Unterstützer abgelichtet. Er machte darauf aufmerksam, dass am Freitag in Wien auch der berüchtigte Akademikerball stattfand, das wichtigste Treffen der österreichischen Burschenschaftler und Neofaschisten. »Kontinuitäten aufzeigen« – das sei es, was er als Fotograf wolle. Und das nicht nur, wenn es um jene aus der ersten Reihe der österreichischen Neonaziszene geht, auch die Ränder der Treffen nahm Newald immer wieder in den Blick: »Die Pappenheimer stehen meistens hinten«.

Abgerundet wurde die Veranstaltung in Berlin durch musikalische Beiträge des jungen Rappers Tupamaro und der Liedermacherin Maike Rosa Vogel. Sie sorgten für die gute und beschwingte Stimmung, mit der nach dem offiziellen Teil Leser und Freunde der Melodie & Rhythmus den Abend mit angeregten Diskussionen ausklingen ließen. (jW)

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