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Aus: Ausgabe vom 24.01.2019, Seite 16 / Sport
Basketball

Ganz einfach

Basketballer James Harden hält die Houston Rockets auf NBA-Playoffs-Kurs. Seine Methoden gefallen nicht jedem
Von Rouven Ahl
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»Foult mich halt nicht.« James Harden (r.) auf der Suche nach noch mehr Freiwürfen

Houston. James Harden von den Houston Rockets unterscheidet sich schon äußerlich von anderen Basketballstars. Der beinahe monumentale Bart, der das Gesicht des 29jährigen ziert, hat ihm auch seinen wenig kreativen Spitznamen eingebrockt: »The beard«. Doch nicht nur Hardens Gesichtsbehaarung ist spektakulär, sondern auch seine sportlichen Leistungen. Seit dem Ausfall seines Kostars Chris Paul kurz vor Weihnachten hält der Shooting Guard das Team praktisch alleine im Rennen um die Playoff-Plätze.

Dabei reizt er momentan die Grenzen dessen aus, was ein einziger Spieler zum Erfolg einer Mannschaft beitragen kann. Besonders beeindruckend: Durch seine 37 Zähler bei der 93:121-Niederlage gegen die Philadelphia 76ers vergangene Dienstagnacht ist er seit dem unerreichten Wilt Chamberlain (1936–1999) der erste Spieler, der in 20 NBA-Spielen in Folge mindestens 30 Punkte erzielt hat. Den Allzeitrekord wird Harden aller Voraussicht nach jedoch nicht knacken. Diesen hält ebenfalls Chamberlain – mit 65 aufeinanderfolgenden Partien, aufgestellt in der Saison 1961/62. Aber mit dem statistisch besten Spieler der NBA-Geschichte sollte man eh niemanden vergleichen – er ist auch der bislang einzige, der in einem Spiel 100 Punkte erzielte.

Trotz aller Rekorde ist Harden jedoch nicht sonderlich beliebt. Viele Experten, und vor allem Fans der gegnerischen Mannschaften, sind nämlich wenig angetan davon, auf welche Weise Harden punktet. Denn der wertvollste Spieler der vergangenen Saison ist ein Experte darin, Fouls zu ziehen und dadurch Freiwürfe zu erhalten. In der Statistik folgt auf ihn mit durchschnittlich 11,6 Freiwürfen Joel Embiid von den 76ers mit 9,9 Versuchen. Den Vogel schoss Harden Anfang Januar in der Begegnung mit den Memphis Grizzlys ab, als er 27mal (!) an die sogenannte Charity Line ging. Zum Vergleich: Am selben Abend kamen u. a. die Boston Celtics (20) und die San Antonio Spurs (18) auf jeweils weniger Versuche als Harden alleine. Diese Statistik hatte der Journalist David MacKay auf Twitter veröffentlicht.

Die Strategie ist zwar legitim, aber nicht besonders schön anzusehen. Harden und den Rockets ist das verständlicherweise egal. Auf die Frage der Reporterin Rosalyn Gold-On­wude, was er Menschen sagt, die seine Spielweise nicht mögen, antwortete er: »Hört auf mich zu foulen. Es ist ganz einfach.«

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