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Aus: Ausgabe vom 24.01.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Viel Zeit bleibt nicht

Zu jW vom 12./13.1.: »Abwehr statt Hilfe«

Ursache für Migration ist doch vor allem das soziale und wirtschaftliche Ungleichgewicht, neben dem Klimawandel. Freihandelsabkommen, Landgrabbing, Aneignung von Ressourcen zu billigsten Konditionen – den Afrikaner(inne)n wird die Existenzgrundlage genommen. Klar, dass sie sich auf den Weg dorthin machen, wo sie sich bessere Lebensmöglichkeiten erhoffen. Es ist in der Tat zynisch, die Menschen nun mit aller Gewalt davon abhalten zu wollen. Dabei ist zu sagen: Deutschland wäre ein erbärmliches Nichts ohne die Rohstoffe aus anderen, auch afrikanischen Ländern, allem Gerede von seiner wirtschaftlichen Stärke und seiner Leistungsfähigkeit zum Trotz.

Eine echte Lösung in der Migrationsfrage wird es nur mit einer Angleichung der Lebensverhältnisse geben. Erreichen werden wir die aber nur, wenn es uns gelingt, den Kapitalismus loszuwerden. Im Interesse der Mehrheit der Weltbevölkerung wie auch der Zukunft des Lebens auf dem Planeten Erde überhaupt wäre das allemal. Viel Zeit bleibt nicht mehr.

Ursula Mathern, Merxheim

Richtige Schritte

Zu jW vom 31.12./1.1.: »›Versuch mit offenem Ausgang‹«

Das »Aufstehen« signalisiert ein »Aufstehen aus der Asche, für eine bessere, gerechte Welt. Eine bessere, gerechte Welt hört jedoch nicht an der Grenze eines Staates, einer privilegierten Gesellschaft auf. Eine gerechte Politik im Land ist nicht möglich ohne eine gerechte Politik gegenüber dem Ausland. Deswegen sollte das Hauptkriterium der Bewegung »Aufstehen« bei der Aufnahme neuer Mitglieder gerade deren außenpolitische Einstellung, insbesondere ihre Haltung zur praktizierten, imperialistischen Politik des Westens sein. Es können keine »Grünen«, Sozialdemokraten und andere zu profilierten Mitgliedern der neuen Bewegung werden, wenn sie mit ihrer Unterstützung der imperialistischen Kriege in den letzten 20 Jahren in und um Europa die Gesellschaft in jene »Asche« verwandelt haben, aus der man nun aufstehen soll …

Es sei denn, sie bekennen sich öffentlich dazu, Mittäter dieser Politik zu sein und in ihrer politischen Tätigkeit zu den »humanitären Kriegen« und ihren verheerenden Folgen beigetragen zu haben, verurteilen dies jetzt öffentlich und setzen sich politisch für die Wiedergutmachung dieser Vergehen ein. Ein solches Vorgehen bei der Aufnahme von Mitgliedern würde eine erste und notwendige Glaubwürdigkeit der Bewegung herstellen. Man kann nicht über verborgene Leichen, zerstörte Landschaften und Zivilisationen hinweg in eine bessere Zukunft schauen. Fände eine solche Aufarbeitung der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, nicht nur gegen Grundgesetz und Völkerrecht, statt, würden sich alle anderen Probleme, über die man in der Gesellschaft streitet, wie die »Flüchtlingswellen«, automatisch lösen. Man muss die Probleme nur voll und ganz in den Blick nehmen, um zu den richtigen Schritten für ein »Aufstehen« zu gelangen.

Olivera Götz, per E-Mail

Konsumgüter wichtiger als Menschen

Zu jW vom 15.1.: »Fracht über Bord«

Es ist schon erstaunlich, dass man sich um den Schaden durch Konsumgüter des Kapitalismus mehr Sorgen macht als um Flüchtlinge, also Menschen, Frauen und Kinder, die ebenso im Meer treiben. Der Kapitalismus zeigt hier sein brutalstes Gesicht. Zum einen verseuchen Handelsgüter, die nur dem Profit dienen, das Meer – von eventuellen Schäden durch auslaufenden Treibstoff abgesehen –, zum anderen treiben Menschen, die besonders hilfebedürftig sind, im Meer, und man hat nichts anderes zu tun, als Flüchtlinge in die Subsidiarität zu verbannen und den Konsumgütern Priorität einzuräumen.

Georg Dovermann, Bonn

Militär in erster Reihe

Zu jW vom 17.1.: »›Scheint normal, dass es ab und zu mal brennt‹«

Die gleichgültige Reaktion der Militärs auf den – von ihnen leichtfertig ausgelösten – Moorbrand im Emsland mit seinen Folgen erinnert mich in fataler Weise an die »Kollateralschäden« der Kriege, wie wir sie zur Zeit auch wieder im Irak und in Syrien beobachten können. Was die Rolle der Militärs in der Außenpolitik anbelangt, schrieb Ekkehart Krippendorff, der sich wissenschaftlich viel und gründlich mit dem Krieg beschäftigte, am Ende seines Buches »Kritik der Außenpolitik« sozusagen als Fazit: »Wie nach 1871 sitzen nun wieder die Uniformierten bei allen politischen Gelegenheiten stolz, selbstbewusst und unübersehbar mit ihren Auftraggebern in der ersten Reihe. Man wird den politischen Verlierern von heute morgen recht geben – auch wenn es dann wieder zu spät sein wird.«

Ludwig Schönenbach, per E-Mail

Schäbigkeit und Hass

Zu jW vom 19.1.: »100 Jahre ­Leichenschändung«

Wie könnten die Thierse und Co besser unter Beweis stellen, was »ihre« Demokratie ist. Wie könnten die Fragestellungen Lenins zu Demokratie und Freiheit besser beantwortet werden, als es die »Demokraten« von heute tun. In wessen Interesse, für und gegen wen Demokratie und Freiheit, das ist die Frage. Und es ist nicht einmal nur das unmittelbare Interesse, es sind auch Schäbigkeit, Hass und tiefer Antikommunismus. Wider die gesellschaftlichen Realitäten sind die Thierse und Co von hasserfüllter Blindheit gegenüber heutigen parallelen Entwicklungen geprägt. Das ist mehr als peinlich, wenn Thierse es peinlich findet, dass Tausende sich der Morde an Liebknecht und Luxemburg erinnern, einer Novemberrevolution, die eine SPD verraten hat.

Roland Winkler, Aue

Deutschland wäre ein erbärmliches Nichts ohne die Rohstoffe aus anderen, auch afrikanischen Ländern, allem Gerede von seiner wirtschaftlichen Stärke und seiner Leistungsfähigkeit zum Trotz.