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Aus: Ausgabe vom 23.01.2019, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Aufbauwortschatz BRD

Lesart | Mo., 10.05 Uhr, DLF Kultur
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Was flog wohl raus? Der Duden Leipziger Ausgabe (DDR, l.) wurde nach der Konterrevolution mit der Mannheimer Ausgabe (BRD) zum Einheitsduden (r.) zusammengeführt

Der Autor Peter Graf mag altertümliche Begriffe. Da liegt es nahe, sich mit dem Duden zu befassen. Der ist seit 1880 von 25.000 auf mittlerweile 145.000 Einträge angewachsen, unterdessen wurde aber auch so manches gestrichen. Vieles ist einfach aus der Mode gekommen. Kluge Frauen beschimpft man nicht mehr als »Blaustrumpf«. Und weil die Natur, Tempolimitdebatte hin, Ökolifestyle her, kaum einen interessiert, weiß auch niemand, dass es »Schlafbewegungen« von Pflanzen gibt, geschweige denn, dass sie Nyktitropie heißen. Nach der Befreiung flog viel Nazisprech raus – immerhin fünf Prozent des Wörterbuches. Und nach der »Wende«? Wurden Mannheimer (West) und Leipziger Duden (Ost) auf Grundlage des ersteren zusammengeschweißt. Die Ostdeutschen mussten gewissermaßen eine neue Sprache lernen. Bis zu 3.000 Vokabeln hatten sie sich anzueignen, um zurande zu kommen, berichtet der Sprachforscher dem DLF Kultur, »eine große Leistung«. Die Wessis dagegen »konnten weitermachen wie gewohnt«. Kann man den Anschluss klarer in Worte fassen? (pm)

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