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Aus: Ausgabe vom 23.01.2019, Seite 10 / Feuilleton

Winkler, Metzkes

Von Jegor Jublimov
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Angela Winkler (M.), die die Titelrolle spielt, mit Regine Lutz und Werner Eichhorn in einer Szene des Films »Die verlorene Ehre der Katharina Blum«.

Sowohl die vergangene Woche hier gewürdigte Katharina Thalbach als auch Angela Winkler wurden mit demselben Film weltbekannt. Volker Schlöndorffs Günter-Grass-Adaption »Die Blechtrommel« errang neben vielen anderen internationalen Preisen 1980 einen Oscar. Angela Winkler spielte Oskar Matzeraths Mutter. Schon 1975 hatte ihr Schlöndorff die Titelrolle in der Heinrich-Böll-Verfilmung »Die verlorene Ehre der Katharina Blum« gegeben. Damals drehte Angela Winkler einige Filme, die sich mit der Repression in der BRD gegen alles, was entfernt »links« war, während des sogenannten »deutschen Herbstes« richtete: Etwa »Messer im Kopf« von Reinhard Hauff, auch die Schlöndorff-Episode in »Deutschland im Herbst« (beide 1978).

Die gebürtige Templinerin wuchs in Erlangen auf und wurde ab 1971 unter Peter Stein an der Westberliner Schaubühne berühmt. Heute tritt sie als Gast u. a. am Deutschen Theater Berlin auf und übernimmt immer markante Filmrollen. In Matti Geschonnecks »In Zeiten des abnehmenden Lichts« (2017) strahlte sie als Stine Spier. Mit ihrer Familie, darunter die am Rambazamba-The­ater Berlin engagierte Tochter Nele, konnte sie gestern ihren 75. Geburtstag begehen.

Harald Metzkes’ Bilder seien »poetisch, meisterlich, oft mit einem Augenzwinkern«, heißt es völlig richtig in der Ausstellung »Harald Metzkes – Ein musisches Kabinett zum 90.«, die noch bis 10. Fe­bruar im Kunstforum der Berliner Volksbank zu sehen ist. Dort wird besonders betont, wie »nonkonformistisch« der Meisterschüler von Otto Nagel in der DDR gewesen sei. Darum wurde er 1977 wohl auch mit dem Nationalpreis ausgezeichnet. Sicherlich ist jeder Künstler ein Individualist, aber es kommt auf die Haltung zur Gegenwart an. In gewisser Hinsicht ist Metzkes konservativ: »Das Malen nach der Natur ist für das Verständnis der Malerei das beste. Es hilft auch dem Betrachter die dumme Behauptung zu vergessen, jeder könne malen.« Malen kann der gebürtige Bautzener, nicht umsonst wird er gern mit Cezanne verglichen. Metzkes’ Arbeiten wurden nicht nur in Berlin und Dresden gezeigt, sondern schon in den achtziger Jahren auch auf der Biennale in Venedig, später in Brüssel, Paris und im New Yorker Museum of Modern Art. Auch als Grafiker ist er von hohen Graden. Seine Illustrationen, begonnen mit Vlad Pozners »Die Verzauberten«, haben vielen Büchern Sammlerwert verliehen. In den letzten Jahren sind auch Romane aus seiner Feder erschienen. Dabei ist er sich treu geblieben: »Man muss in der Kunst nicht jetzt erfinden, was einige tausend Jahre zu erfinden nicht nötig war, zumal heute jeden Monat etwas erfunden wird.« Heute feiert er seinen Geburtstag.

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