Gegründet 1947 Montag, 18. Februar 2019, Nr. 41
Die junge Welt wird von 2161 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 23.01.2019, Seite 8 / Ansichten

Milizionär des Tages: Flávio Bolsonaro

Von Peter Steiniger
RTS2B23N.jpg
Wie der Vater, so der Sohn: Der Clan um Jair Bolsonaro lebt seit Jahrzehnten von öffentlichen Ämtern. Sein Vermögen vermehrte sich auch auf dubiose Weise

Der Mythos ist geplatzt. Dem Bolsonaro-Clan fällt seine Kriegskasse auf die Füße. Im Mittelpunkt des Skandals steht Flávio, der älteste Sohn des neuen Präsidenten. Der Abgeordnete in Rio de Janeiro wurde im Oktober zum Senator für den Bundesstaat gewählt. Er vertritt dieselbe Grütze wie sein alter Herr. Während dieser gerade vor der Bergkulisse von Davos Reden schwingt, rollt in Brasilien die Lawine. Die ersten Steine lösten sich bereits im Dezember. Mit losgetreten wurden sie von den Medien des Globo-Konzerns. Jair möchte dem an die Kohle. Doch dort ist man schon mit ganz anderen Kalibern als dem früheren Hauptmann fertig geworden.

Die Zeitbombe tickt, seit den Behörden vor wenigen Monaten auffiel, dass auf einem Konto von Flávios damaligen Leibwächter und Fahrer Fabrício Queiroz im Jahr 2016 eine rätselhafte Geldvermehrung um umgerechnet 280.000 Euro stattgefunden hatte. Den Verdacht behielten sie für sich, schließlich war Wahljahr. Mittlerweile geht es sogar um knapp zwei Millionen, die von Queiroz verwaltet wurden. Wie es aussieht, dienten den Bolsonaros einige Phantomangestellte, darunter die Tochter des Fahrers, Nathalia Queiroz, welche auf dem Papier dem Abgeordneten Jair in Brasília diente und zur gleichen Zeit aber an der Copacabana als Fitnesstrainerin turnte. Flávio will dazu nicht aussagen, Fabrício liegt in einer Nobelklinik und kann angeblich nicht aussagen.

Dennoch geht es nun Schlag auf Schlag. Die Verbindungen der Bolsonaros zu Rios Milizen kommen ans Licht. In einem von der Mafia kontrollierten Viertel – Rio das Pedras – war Queiroz wochenlang untergetaucht. Bis vor kurzem beschäftigte Flávio auch noch Mutter und Frau des Expolizisten Adriano Magalhães, der seit Dienstag mit Haftbefehl gesucht wird. Das von ihm geführte »Kontor des Verbrechens« soll für den Mord an der linken Stadträtin Marielle Franco im März 2018 verantwortlich sein. Das Endspiel findet in Rio statt.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Mehr aus: Ansichten