Gegründet 1947 Montag, 18. Februar 2019, Nr. 41
Die junge Welt wird von 2161 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 22.01.2019, Seite 16 / Sport
Tennis

Ein gutes Zeichen

Petra Kvitova marschiert, und Angelique Kerber fliegt nach Hause. Heute beginnen die Viertelfinals der Australian Open
Von Peer Schmitt
Australian_Open_Tenn_60044592.jpg
Breakball? Vergiss es. Petra Kvitova gewann ihre Matches bisher ausgesprochen souverän

In der Damenkonkurrenz der Aus­tralian Open kommt es im Viertelfinale am heutigen Dienstag zu einer Wiederauflage des Finales vom WTA-»Premier«-Turnier in Sydney vom 12. Januar zwischen Petra Kvitova und Ashleigh Barty. Beide Spielerinnen konnten ihre herausragende Form bei dem Vorbereitungsturnier offensichtlich konservieren. Ein ermutigendes Zeichen für die reguläre Tour, die gegenüber den Majors dringend der Aufwertung bedarf.

Nur allzu selten übersetzen sich die Ergebnisse im Vorfeld in Erfolge bei den Majors. Davon konnte Kvitova in der vergangenen Saison ein Lied singen. Sie gewann im vorigen Jahr fünf WTA-Turniere, so viele wie keine andere Spielerin. Bei den vier Majors kam sie allerdings nicht über die dritte Runde hinaus. In Melbourne verlor sie sogar in der ersten Runde 10:8 im dritten Satz gegen Andrea Petkovic. Ein Ergebnis, zu dem es in diesem Jahr nicht mehr kommen könnte. Zum ersten Mal wird bei den AO im dritten Satz (in der Herrenkonkurrenz analog im fünften) bei 6:6 ein sogenannter Match-Tie-Break gespielt. Im Unterschied zum regulären Tie Break sind zum Gewinn mindestens zehn Punkte erforderlich, statt der regulären sieben.

Ein Tie-Break ist Kvitova in ihren ersten vier Runden erspart geblieben. Sie gewann ihre Matches bisher ausgesprochen souverän. Das Achtelfinale gegen die erst siebzehnjährige, schwindelerregend talentierte US-Amerikanerin Amanda Anisimova, die in der dritten Runde die an elf gesetzte Geheimfavoritin und Siegerin beim Vorbereitungsturnier in Shenzhen, Aryna Sabalenka, noch glatt 6:3, 6:2 besiegt hatte, war da ein weiteres Ausrufungszeichen. Kvitova nahm für die überraschende Niederlage gegen Anisimova im März des letzten Jahres in Indian Wells 6:2, 6:1 Revanche. Überragend dabei die Aufschlagstatistiken, 86 Prozent der ersten Aufschläge im Feld bei 83 Prozent Punktgewinn. Kvitova ließ gegen die jüngste US-Amerikanerin im Achtelfinale der AO seit Jennifer Capriati 1993 nicht einen einzigen Breakball zu.

In ihrer Siegesserie von nunmehr neun Matches in Folge verlor die Tschechin einen einzigen Satz, den Auftaktsatz im Finale von Sydney gegen eben ihre jetzige Viertelfinalgegnerin Barty. Diese ist die erste Australierin in der Runde der letzten acht seit Jelena Dokic 2009 – für die 22jährige ist es das erste bei einem Major in ihrer Karriere. Sie hatte ein hartes Achtelfinale gegen eine wiedererstarkte Marija Scharapowa mit 4:6, 6:1, 6.4 zu überstehen. Die Russin hatte zuvor Titelverteidigerin Caroline Wozniacki aus dem Turnier geworfen. Gegen Barty schien ihr Aufschlag in der zweiten Hälfte des Matches stark beeinträchtigt. Im dritten Satz lag sie bereits 0:4 zurück, Barty vergab einige Cancen, das Match schnell zu beenden und musste schließlich sogar zwei Breakchancen zum 4:4 abwehren. Es gelang ihr mit hervorragenden Aufschlägen. Danach brachte sie das Match nach Hause.

Die ganze Härte der alten Tennisweisheit, dass eine leichte Auslosung noch keinen Champion macht, durfte in ihrem Achtelfinale wiederum Angelique Kerber erfahren. In der dritten Runde an ihrem 31 Geburtstag am vergangenen Freitag bewies Kerber mit 6:1, 6:0 gegen Kimberly Birrell noch überragende Form. Bei Birrell handelte es sich allerdings um eine australische Wildcard mit der aktuellen Weltranglistenposition 249. Die 25jährige Danielle Collins, 35. der Weltrangliste, vor zwei Jahren in den USA noch kein Profi, sondern Collegespielerin, war nun die erste Top-50-Spielerin in Kerbers Draw und lieferte ein makelloses Match ab. Sie fegte Kerbers Geschaufel in weniger als einer Stunde 6:0, 6:2 vom Platz und steht nun ebenfalls zum ersten Mal in ihrer Karriere im Viertelfinale eines Majors.

Für Leute, die Tennis nur durch die nationale Brille sehen, kam es am Montag noch dicker: Nach über weite Strecken schwacher Leistung verabschiedete sich auch der letzte Deutsche aus dem Turnier. Alexander Zverev verlor gegen den Kanadier Milos Raonic 1:6, 1:6, 6:7 (5:7).

Mehr aus: Sport