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Aus: Ausgabe vom 21.01.2019, Seite 16 / Sport
Olympia

Der Traum des Bischofs

»Athletica Vaticana«: Der Kirchenstaat hat nun seinen eigenen Sportverband
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Joggende Bibliothekare (unter anderen): »Athletica Vaticana« ist das, was man »breit aufgestellt« nennt

Der Laufanzug in Marineblau, das Wappen des Heiligen Stuhls auf der Brust – und auf manchem Nonnenkopf ein kleiner Schleier: Als das Team »Athletica Vaticana« am Sonntag erstmals bei einem offiziellen Wettkampf für den Vatikan antrat, begann für die sportlichen Ordensfrauen, Priester und Schweizergardisten aus dem Ministaat (1.000 Einwohner) ein neues Kapitel. Ein Kapitel, das irgendwann mit der Olympia-Teilnahme enden könnte. »Unser Traum war es immer, die Flagge des Heiligen Stuhls bei der Eröffnungsfeier von Olympischen Spielen zu sehen«, sagt Bischof Melchor Sánchez de Toca Alameda, der dem vor einer Woche gegründeten Verband vorsteht.

Das 60köpfige Leichtathletikteam will es allerdings langsam angehen. Erstes Ziel sei die Teilnahme an Veranstaltungen wie den Mittelmeerspielen oder den Spielen der europäischen Kleinstaaten. Los ging es am Sonntag bei der »Corsa di Miguel« in Rom. Der Zehn-Kilometer-Lauf wird zu Ehren von Miguel Sánchez ausgetragen, einem argentinischen Langstreckenläufer, der während der Diktatur spurlos verschwand. Das Vatikan-Team startet zwar »nur« außerhalb der Wertung über drei Kilometer, aber eben erstmals als eigene Mannschaft.

Der jüngste Läufer im Team ist ein 19 Jahre alter Schweizergardist, der älteste ein 62 Jahre alter Professor der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek. Und dann sind da auch noch Jallow Buba (20) aus Gambia und Anszou Cisse (19) aus dem Senegal. Beide haben im Vatikan Asyl beantragt.

Voraussetzung für die Gründung des Verbandes war ein bilaterales Abkommen mit dem italienischen Olympischen Komitee (CONI), das einen starken gegenseitigen Austausch vorsieht. IOC-Mitglied Giovanni Malago sprach bei der Präsentation denn auch von einem »mutigen Anfang«. Nur Medaillen wegschnappen dürfe das kleine Team dem großen Nachbarn bitte nicht. »Werdet nicht zu groß«, sagte Malago. (sid/jW)

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