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Aus: Ausgabe vom 17.01.2019, Seite 8 / Ansichten

Autobiograph des Tages: Horst Seehofer

Von Claudia Wangerin
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Horst Seehofer (CSU) ist immer wieder für eine Überraschung gut. Seit der Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat vergangene Woche enthüllte, dass er schon »seit den Achtziger Jahren« im Internet unterwegs sei, wird spekuliert, ob er als fescher Mittdreißiger heimlich dem Chaos Computer Club angehörte. Wenn ja, wäre die nächste Frage, welchen illegalen Hackeraktivitäten er damals im Advanced Research Projects Agency Network (Arpanet) nachging, das einst im Auftrag der US-Luftwaffe konzipiert wurde und als Vorläufer des heutigen Massenmediums Internet gilt.

Möglicherweise gibt es darauf mehr oder weniger glaubwürdige Antworten, wenn der »Heimathorst« in den Ruhestand geht und seine Memoiren zu Papier bringt, wie er am Mittwoch gegenüber der Augsburger Allgemeinen ankündigte.

Allerdings will er die Dienste eines Ghostwriters in Anspruch nehmen: »Zwar bin ich auch des Schreibens mächtig, aber das muss ein Profi machen, der die Informationen einfach verständlich und doch spannend verarbeitet – ich will keine Memoiren, die vor Langeweile und Selbstbeweihräucherung strotzen«, sagte Seehofer dem Blatt. Spontane Bewerber sollen ihm sogar schon Vorschläge gemacht und Exposés geschickt haben – darunter eines für ein Jugendbuch mit dem Titel »Die Leiden des jungen Vollhorst. Wie ich in der Schule gemobbt wurde und in die Politik ging, um mich an allen zu rächen«. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Seehofer sich für den Schmachtfetzen »Auch CSU-Granden haben Gefühle. Mein Coming-out als Mensch« entscheidet. Darin soll unter anderem beschrieben werden, wie traurig Seehofer war, als er die Erstkommunion seiner unehelichen Tochter verpasste – und dass er bei jeder Abschiebung junger Flüchtlinge in Kriegsgebiete eine Kerze anzünde, damit ihnen nichts passiert.

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