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Aus: Ausgabe vom 16.01.2019, Seite 1 / Ausland
Türkei will nach Syrien expandieren

Deal ohne Damaskus

Türkischer Präsident Erdogan einigt sich mit US-Amtskollegen Trump auf »Sicherheitszone« in Syrien
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Syrien aufgeteilt: US-Präsident Donald Trump und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan am 11. Juli 2018 im NATO-Hauptquartier in Brüssel

Die von US-Präsident Donald Trump vorgeschlagene »Sicherheitszone« in Nordsyrien soll nach den Worten des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan von der Türkei umgesetzt werden. Dies sei bei einem »extrem positiven« Telefonat mit Trump vereinbart worden, sagte Erdogan am Dienstag vor Abgeordneten seiner regierenden AK-Partei in Ankara. Die Vereinbarung bezeichnete Erdogan als »historisch«. Trump habe zudem bekräftigt, die US-Truppen aus dem Norden des Kriegslandes abziehen zu wollen.

Erdogan sagte nach der Rede vor Journalisten, die Schaffung der 30 Kilometer breiten »Sicherheitszone« könne zusammen mit der US-geführten »Anti-IS-Koalition« erfolgen, der auch die Türkei angehört. Das Gebiet würde Städte wie Kobani, Tel Abjad und Kamischli in dem kurdischen Selbstverwaltungsgebiet Rojava umfassen. Für die Umsetzung wäre der Rückzug der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) erforderlich. Erdogan erklärte zudem, die »Sicherheitszone« könne auch weiter ausgedehnt werden.

Trump hatte am Sonntag eine »Sicherheitszone« von 20 Meilen (rund 30 Kilometer) ins Gespräch gebracht, sich aber weder dazu geäußert, wo sie geschaffen, noch von wem sie durchgesetzt werden sollte. Die türkische Regierung zeigte sich am Montag offen für Trumps Vorschlag, reagierte jedoch empört auf dessen Drohung, die USA würden »die Türkei wirtschaftlich zerstören, wenn sie die Kurden attackiert«. Am Montag abend telefonierte Erdogan mit Trump, wobei sie nach Angaben aus Ankara über eine »vom Terrorismus befreite« Zone sprachen. Außerdem hätten sie vereinbart, ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu »vertiefen«.

Die Türkei hatte seit langem eine »Sicherheitszone« im Norden des Landes gefordert. Dies wurde von der syrischen Regierung abgelehnt. Auch bei dem jüngsten Treffen zwischen Erdogan und Trump wurde Damaskus nicht mit eingebunden. (AFP/jW)

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