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Aus: Ausgabe vom 12.01.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Fest im Leben

Zu jW vom 4.1.: »Wo Klecks die Oma biss«

Den Wunsch von Roberto Yáñez, dass die Urnen seiner Großeltern Margot und Erich Honecker in Berlin-Friedrichsfelde bestattet werden, müssten alle linken Kräfte teilen. (…) In meinem Briefwechsel mit Margot Honecker hatte ich den zutiefst irdischen Eindruck einer fest im Leben verwurzelten Persönlichkeit mit kommunistischem Weitblick. Sie machte mir immer Mut und war stets auch bei zuweilen aufkommenden Zweifeln verständnisvoll. Sie fehlt mir sehr!

E. Rasmus, per E-Mail

Die Massen ergreifen

Zu jW vom 7.1.: »Hammer und Kompass« und »Neue Klassenpolitik«

(…) Als ältere Leserin und Außenstehende, weil nicht Parteimitglied, möchte ich auf einen Aspekt hinweisen, der in den beiden Artikeln ausgeblendet wird. Und das ist der eingefleischte und verhärtete Antikommunismus, der die gesamte Geschichte der Bundesrepublik bestimmte und bestimmt (…). Die Bezeichnung »Kommunist« galt und gilt immer noch als Schimpf und Schande. Denken Sie nur daran, wie Gesine Lötzsch einmal öffentlich diesen Begriff gebraucht hat (in jW vom 3.11.2011 in ihrem Gastbeitrag »Wege zum Kommunismus«). Ein Sturm der Entrüstung durchfuhr das Land (…). Die DDR gilt demnach als ein Unrechtsstaat, weil sie sich sozialistisch genannt hat. (…) Und Stalin hat angeblich schlimmere Verbrechen begangen als die Nazis. Noch heute wird in Krimis von der »Russenmafia« gefaselt, die überall ihre Untaten verübt. Mit Putin an der Spitze. Es sollte eine der wichtigsten Aufgaben der Linken sein, mit diesem Unsinn gründlich aufzuräumen und die Geschichtsbetrachtung in Deutschland vom Kopf auf die Füße zu stellen. Es kann doch nicht sein: Die KPD wurde in den fünfziger Jahren mir nichts, dir nichts verboten, während die Nazis überall im Land einfach so weitermachen konnten und können! Und bis heute soll es unmöglich sein, Naziparteien zu verbieten? Das alles ist möglich in Deutschland, liebe Linke, weil Ihr zerstritten und in kleine Grüppchen zersprengt seid, die sich auch noch gegenseitig schlechtmachen. (…) Eigentlich tut Ihr all das, was der kapitalistische Staat von Euch erwartet. Der hat nämlich bei Euch das alte Prinzip »Teile und herrsche« bestens verwirklicht. Mein zweiter Rat an Euch wäre also der ganz alte Satz: »Proletarier aller Länder, vereinigt euch!« Streitet nicht über das, was Euch trennt, sondern denkt an das, was Euch alle verbindet, und werdet endlich zu der ersehnten Macht, die die Massen ergreift! Wenn Ihr das nicht schafft, werden wir demnächst gemeinsam im dritten Weltkrieg untergehen.

Edda Tunn, Berlin

Alptraum für Friedensbewegte

Zu jW vom 8.1.: »Stimmungsmache für Aufrüstung«

Russland widersetzt sich an der Seite von China am konsequentesten den amerikanischen Ansprüchen auf globale Weltdominanz. Gerechtfertigt! Manchen menschenrechtlichen Defiziten in Russland zum Trotz wird die militärische Drohkulisse der USA und ihrer ergebenen Befehlsempfänger in der NATO in ihrer logischen Konsequenz immer gefährlicher. Das INF-Abkommen über die Liquidierung landbasierter Raketen mittlerer und kurzer Reichweite (500 bis 5.500 Kilometer) von 1987 zwischen den USA und der UdSSR wird fallen, da sich Russland nicht erpressen lässt. Die von US-Präsident Donald Trump behaupteten Vertragsverstöße Russlands veranlassten lediglich ein ergebenes theatralisches Schulterzucken von NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg und letztlich nicht minder von Bundesaußenminister Heiko Maas. Beide meinen, sich unter Umständen »bedauerlicherweise« zu einer Neustationierung US-amerikanisch-westlicher Mittelstreckenraketen gezwungen zu sehen. Was nichts anderes als die gehorsame Stimmungsmache für den Auftakt zur Runde einer neuen, noch bedrohlicheren Raketenkonfrontation in Europa bedeutet. Die Vorwarnzeiten betrugen in der Raketenkrise während der 80er Jahre (…) immerhin noch zwischen fünf und acht Minuten. Bei einer Neustationierung auf dem Gebiet der EU nach der geographischen Osterweiterung der NATO reduzieren diese sich auf etwa drei Minuten. Welche militärisch rationalen Entscheidungen wären da wohl noch zu treffen? Auch noch so filigran programmierte Entscheidungsketten werden das im Kriegsfall einsetzende nukleare Vernichtungsinferno nicht aufhalten können. Das Angebot Moskaus an die USA, über Einwände und Probleme zum Vertragsgeschehen zu beraten, wurde von Washington und den Medien des Westens so gut wie ignoriert. Bleibt nur noch zu konstatieren, dass der apathisch anmutende Gleichmut der EU-Bürger angesichts der Herausforderung für ihre Lebens- und Überlebensinteressen in der Frage von Aufrüstung oder Rüstungskontrolle und Frieden wenig Anlass für Zukunftsvertrauen bietet. Für Friedensbewegte ein Alptraum!

Prof. Dr. Gregor Putensen, Greifswald

Keine Entgleisung

Zu jW vom 9.1.: »Rotlicht: Dolchstoßlegende«

Mit dem Einsatz der Freikorps und Gardeeinheiten des deutschen Militarismus gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung 1918 bis 23 wie auch mit der Zustimmung zum außenpolitischen Programm der Naziregierung 1933 und später zur »Wiederbewaffnung« und mit der »Wiederbelebung des Militärischen« unter Gerhard Schröder haben die jeweiligen SPD-Führungen seit genau einem Jahrhundert gezeigt, dass sie immer auf der Seite der Friedensfeinde, Militaristen und Reaktionäre standen. Entschuldigt hat sich die SPD dafür nicht ein einziges Mal. So ist sie eben. Damit ist sie, ob sie es wollte oder nicht, zu einem der Ziehväter des deutschen Faschismus geworden. (Es war eben keine »Entgleisung«, dass die Noskiten zum Teil schon den Stahlhelm mit dem Hakenkreuz trugen!) Und auch der Berliner »Blutmai« von 1929 hat das belegt, als die »Schutzpolizei« unter dem sozialdemokratischen Berliner Polizeipräsidenten Karl Zörgiebel brutal gegen linke Demonstranten vorging. Wann wird es in Friedrichsfelde endlich Gedenksteine für die Opfer des rechten Terrors geben?

Volker Wirth, Berlin

Die Linke tut all das, was der kapitalistische Staat von ihr erwartet. Der hat nämlich das alte Prinzip ›Teile und herrsche‹ bei ihr bestens verwirklicht.

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