Aus: Ausgabe vom 12.01.2019, Seite 6 / Ausland

Für Solidarität bestraft

USA: Angela Davis wird wegen Engagements für Palästina doch nicht mit Bürgerrechtspreis geehrt

Von Jürgen Heiser
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Ikone des Bürgerrechtskampfs: Angela Davis in Flint, Michigan (Februar 2015)

Der Stadtrat von Birmingham im US-Südstaat Alabama hat sich am Dienstag einstimmig mit Angela Davis solidarisiert, der »Ikone des Bürgerrechtskampfs«, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Die international geschätzte Menschenrechtsaktivistin sollte im nächsten Monat in ihrer Geburtsstadt mit dem »Fred Shuttlesworth Human Rights Award« ausgezeichnet werden, benannt nach dem baptistischen Pfarrer und Mitstreiter Martin Luther Kings. Das hatte zumindest das Birmingham Civil Rights Institute (BCRI) im September 2018 angekündigt. Am vergangenen Wochenende war überraschend bekanntgeworden, dass der »langjährigen radikalen politischen Aktivistin, Autorin und Wissenschaftlerin« der Preis doch nicht überreicht werden soll, wie der US-Sender CNN meldete. Das Bürgerrechtsinstitut sagte sogar seine alljährlich im Februar stattfindende Galaveranstaltung ab, auf der Davis geehrt werden sollte.

In einer Stellungnahme hatte der Vorstand des BCRI erklärt, die Entscheidung sei gefallen, nachdem »Unterstützer und andere besorgte Einzelpersonen und Organisationen innerhalb und außerhalb unserer Gemeinde uns baten, unseren ursprünglichen Beschluss zu überdenken«. So sei man »nach einer genaueren Untersuchung der Aussagen und Veröffentlichungen von Frau Davis zu dem Schluss gekommen, dass sie leider nicht alle Kriterien« für den Preis erfülle. Der Vorstand respektiere ihre »Leistungen als Wissenschaftlerin und prominente Persönlichkeit der Geschichte der Bürgerrechtsbewegung«, glaube jedoch, dass die Entscheidung, ihr den Preis nicht zu geben, »im vollen Einklang steht mit den Idealen des Namensgebers der Auszeichnung, Pfarrer Shuttlesworth«. Drei Mitglieder des Vorstands sahen das anders und traten aus Protest von ihrem Amt zurück.

Konkret geht es wohl um Davis’ langjährige Kritik an der Besetzung Palästinas und ihre Forderung nach einem Boykott Israels. Bürgermeister Randall Woodfin sagte, er sei »bestürzt« von der Kehrtwende des BCRI-Vorstands, die »das Ergebnis von Protesten unserer jüdischen Gemeinde und einiger ihrer Verbündeten« sei.

Davis, seit ihrer Zeit als politische Gefangene bekannt in Ost und West und 2005 Gast der X. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin, reagierte mit einer öffentlichen Erklärung, nachdem ihr das BCRI auf Nachfrage den wahren Grund für den Entzug des Preises nicht hatte nennen wollen. Darin bedauerte sie, dass man ihr nun ihre internationalistische Solidarität mit Palästina ankreide. Das sei gerade deshalb »besonders unglücklich«, weil es sich um eine »riesige internationale Bewegung« für Bürgerrechte handele, durch die sie ihre »Freiheit zurückerhielt«.

Inzwischen gab ein breites Bündnis von Organisationen, Bürger- und Menschenrechtlern, Beschäftigten aus dem Bildungsbereich und Angehörigen verschiedener Glaubensrichtungen bekannt, Angela Davis am 16. Februar in Birmingham in einer Veranstaltung mit dem Titel »A Conversation with Angela Davis« ehren zu wollen.


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