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Aus: Ausgabe vom 10.01.2019, Seite 16 / Sport
Fußball

Auf Asche, voll digitalisiert

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Wer aber spielt den TC Freisenbruch? »FIFA 17«-Zocker

Essen. Der ehemalige Bergbaustandort Freisenbruch liegt im Osten von Essen. Seit 1902 kickt hier der TC Freisenbruch hier im Waldstadion Bergmannsbusch. Auf Asche. Für überregionale Schlagzeilen sorgte der Kreisligist Mitte 2016, als er zur Finanzierung des Spielbetriebs auf »FIFA Manager«-Modus umstellte. Seitdem treffen die Mitglieder in Onlineabstimmungen nahezu alle Entscheidungen, von der Mannschaftsaufstellung über die Verpflichtung von Neuzugängen bis zu Eintritts-, Wurst- und Bierpreisen (2,10 Euro für 0,33 Liter). Etwa 600 »Onlinemanager« gibt es zur Zeit. Der Monatsbeitrag kostet fünf Euro. Nach einer Hinrunde, die der TC ohne Heimniederlage auf Platz sechs abschloss, sprachen 96,77 Prozent dem Trainer Peter Schäfer ihr Vertrauen aus.

Das Modell hat nun auch Interesse in China geweckt. Von 16. bis 19. Januar wird der Verein sich an einem eigenen Stand auf der ISPO-Sportmesse in Beijing präsentieren. Man sei »als erster voll digitalisierter Fußballverein« angefragt worden, sagt Geschäftsführer Gerrit Kremer. »Das kam zwar etwas überraschend, aber wir haben keine Sekunde gezögert« – »der asiatische Markt ist unser Zukunftsmarkt«.

Die Erwartungen des Klubvorstands vor dem Langstreckenflug könnten kaum größer sein. Neben dem »einen oder anderen« Sponsorenvertrag hofft er auf neue Mitglieder: »Wenn 10.000 Chinesen dazu kämen, wäre das eine tolle Sache.« Der TC hätte dann 10.600.

Als im vergangenen Jahr die größte chinesische Fußball-App Allfootball über den Klub berichtete, versuchten sich einige Chinesen als Onlineteammanager anzumelden. Da es in der Volksrepublik aber weder Facebook noch Paypal gibt, war dies nicht möglich.

»Dieses Mal sind wir auf einen Ansturm chinesischer Interessenten besser vorbereitet«, versichert Beirat Peter Wingen, der den Achtligisten aus dem Ruhrgebiet neben Kremer und Schäfer auf der Messe in Beijing vertreten wird. Auch der Coach teilt die Euphorie. Von Leuten, »die sich in China und auf dem chinesischen Markt auskennen«, hat er sich sagen lassen, »dass gerade die Chinesen auf solche Projekte abfahren«. (sid/jW)

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