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Aus: Ausgabe vom 08.01.2019, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Finanzspritze für Pakistan

Frisches Geld aus Abu Dhabi

Pakistan erhält zusätzlich zu Unterstützung von Saudis und Chinesen Finanzhilfe der Vereinigten Emirate
Von Thomas Berger
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Auf oberster Ebene: Porträts des Kronprinzen von Abu Dhabi, Scheich Mohammed bin Sajed Al Nahjan (M.), der soeben in Pakistan auf Staatsvisite weilte, und seines Vaters Scheich Sajed bin Sultan Al Nahjan (l.) sowie des pakistanischen Premierministers Imran Khan (r., Islamabad, 6.1.2019)

Das finanzschwache Pakistan kann sich im noch jungen neuen Jahr bereits über erste Erfolge freuen. Die Vereinigten Arabischen Emirate, deren Kronprinz über Sonntag und Montag gerade zu einer Zweitagesvisite in Islamabad weilte, haben dem südasiatischen Land ein Hilfspaket in Höhe von 6,2 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt, wie pakistanische, indische und VAE-Medien übereinstimmend berichteten. Knapp die Hälfte davon macht ein Kredit in Höhe von drei Milliarden US-Dollar aus, der die Liquidität Pakistans erhöhen soll. Weitere 3,2 Milliarden umfasst eine Reduktion der Lieferkosten für Erdölimporte aus den Emiraten. Mit dieser Kombination an Unterstützungsmaßnahmen will die reiche Golfnation dem islamischen »Bruderland«, zu dem es ebenso wie Saudi-Arabien besonders enge Beziehungen unterhält, unter die Arme greifen.

Pakistan kommt seit Jahren nicht aus der Liquiditätskrise heraus. Das Land muss sich immer wieder an wechselnden Stellen frisches Geld borgen und erhöht damit seine Schuldenlast. Auch der Mitte August als Premierminister vereidigte Imran Khan war schon während der ersten Monate seiner Amtszeit wiederholt gezwungen, bei den Regierungen von Saudi-Arabien, den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China sozusagen auf »Betteltour« zu gehen. Khan hat sich zuvorderst eine Belebung der Wirtschaft auf die Fahnen geschrieben.

Zuletzt hatte sich das saudiarabische Herrscherhaus ebenfalls zu einem ganz ähnlichen Paket bereit erklärt wie jetzt die Vereinigten Arabischen Emirate. Die direkte Finanzspritze aus Riad bescherte drei Milliarden Dollar, verzinst mit 3,18 Prozent und wurde ergänzt um 3,2 Milliarden in geringeren Kosten für bezogenes Öl und Gas. Die 1,5 Milliarden eingerechnet, die die International Islamic Trade Finance Corporation (ITFC) an Handelserleichterungen bereitstellt, kann Pakistan damit seine Einfuhren an Erdöl und Gas um insgesamt 7,9 Milliarden Dollar oder rund 60 Prozent der normalen Kosten verbilligen. Islamabad hofft nun darauf, auch mit Katar für Gasimporte von dort zu einer Erleichterung zu kommen. Das Hilfspaket aus Abu Dhabi sieht überdies noch den Bau einer Ölraffinerie durch ein Joint Venture beider Staaten namens »Parco« vor. Diese Investition hat einen Umfang von fünf bis sechs Milliarden Dollar, wie die pakistanische Tageszeitung Dawn (Onlineausgabe) am Sonntag berichtete. Mit saudischer Hilfe soll wiederum ein petrochemischer Komplex errichtet werden, wie das Blatt am Montag schrieb.

Dagegen sind die pakistanischen Bemühungen, Unterstützung durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu erhalten, noch zu keinem Ergebnis gekommen. Dort ist man mit der Finanzpolitik Islamabads unzufrieden, die zweiwöchige Visite von IWF-Emissär Harald Finger im November endete nach umfangreichen Konsultationen ohne die übliche Pressekonferenz zum Abschluss. Hinter den Kulissen wird pakistanischen Medienberichten zufolge aber offenbar weiterverhandelt. Imran Khan hielt sich jedenfalls auf Bitten von Gastgeber Xi Jinping zur konkreten Zusage bedeckt, die ihm Anfang November in Beijing gemacht worden war. Sein China-Besuch sei »erfolgreicher als die aller früheren Premiers« gewesen, äußerte sich der Regierungschef blumig. Sein chinesischer Counterpart Li Keqiang betonte, Pakistan werde »die Unterstützung erhalten, die notwendig ist«. Spekuliert worden war auch hier über einen Umfang von etwa sechs Milliarden Dollar.

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