Gegründet 1947 Donnerstag, 21. März 2019, Nr. 68
Die junge Welt wird von 2173 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 03.01.2019, Seite 8 / Ansichten

Brandstifter des Tages: Stadt Cottbus

Von Kristian Stemmler
Cottbus_54248554.jpg
Ortseingangsschild der Lausitzmetropole

Cottbus’ Stadtverwalter beziehen endlich Stellung gegen Neonaziaufmärsche und rassistische Übergriffe. Möchte man meinen. »Wir lassen unsere Stadt nicht durch Typen beschädigen, die sich nicht benehmen können«, heißt es in einer Mitteilung vom Neujahrstag auf der Website Cottbus.de. Doch der Satz ist anders gemeint. Im Rathaus hält man es offenbar für richtig, das neue Jahr mit geistiger Brandstiftung zu begrüßen. Einen gewalttätig ausgetragener Streit in der Silvesternacht nutzte die Presseabteilung für üble Hetze gegen Flüchtlinge. Sollte der Täter »noch ein Gastrecht genießen«, heißt es im NPD-Sprech weiter, »werden wir nicht zögern, ihm oder ihnen klarzumachen, dass er oder sie ein Ticket in die Heimat zu lösen haben«.

Dabei ist über den Vorfall fast nichts bekannt. Die Polizei meldete nur, ein »unbekannter Ausländer« habe am Stadtbrunnen auf einen »28jährigen Deutschen« eingestochen – aus »völlig ungeklärter Ursache«. Für den Cottbuser Pressesprecher Jan Gloßmann kein Grund, den Text zu revidieren. Ja, die Wortwahl sei »drastisch«, räumte er am Mittwoch gegenüber jW ein. Die Taten »einiger weniger« brächten allerdings das Engagement für Flüchtlinge in der Stadt in Misskredit.

Auffällig in der Lausitzmetropole ist nach wie vor das »Engagement« gegen Flüchtlinge. Am Silvestertag marschierten wieder rund 300 Rechte auf. AfD, Pegida und der Verein »Zukunft Heimat« hatten mobilisiert. Die AfD-Landtagsabgeordnete Birgit Bessin rief, sie wolle die rot-rote Landesregierung »zum Teufel jagen«. Laut Lausitzer Rundschau sprach sie von »alten und kranken Ästen« die der Wind von den Bäumen holen müsse, damit »junge Triebe« erblühen könnten. Die Demonstranten skandierten pflichtgemäß »Volksverräter«. Für die Cottbuser Stadtverwaltung sind diese »Typen« offenbar kein Problem.

Mehr aus: Ansichten