Gegründet 1947 Mittwoch, 20. Februar 2019, Nr. 43
Die junge Welt wird von 2161 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 31.12.2018, Seite 11 / Feuilleton
Droste

»Alles gut!«

Von
Von Wiglaf Droste

»Alles gut!«, »Alles gut!«,

warum ist jetzt »Alles gut?«

*

Immer, immer »Alles gut!«,

bis das Hirn im Hintern ruht,

*

sagen alle: »Alles gut!«

Nicht nur manches, »Alles gut!«

*

Manches aber ist »empörend!«

oder »schlimm!«, das wirkt sehr störend.

*

Dann ist nicht mehr »Alles gut!«

Und schnell packt sie zu, die Wut.

*

*

Gibt es irgendeinen Zwist,

ist es gut, wenn »Alles gut!« ist.

*

»Alles gut!« ist nämlich Pflicht.

Ohne »Alles gut!« geht’s nicht.

*

Und so sprach selbst Hamsuns Knut:

»Adolf Hitler? – Alles gut!«

*

Alle, sogar Karlmays »Schut«

sagen ständig: »Alles gut!«

*

Und sie lehren ihre Brut,

zu erklären: »Alles gut!«

*

Ist so schön herbeigezogen,

ist nicht wahr und nicht gelogen,

*

ist ideal als Passe-par-tut:

»Alles gut!«, ja: »Alles gut!«

*

*

Sagt dir jemand: »Alles gut!«

Mensch, sei besser auf der Hut.

*

Und dem »Alles gut!«-Getute

wünsche freundlich »Alles Gute!«

*

Wer, als wär’ er ferngesteuert,

ständig »Alles gut!« beteuert,

*

muss ins Purgatorium,

kommt im »Alles Gut!«en um.

*

*

Yepp! Er schmort im Fegefeuer

und muss schlucken: »Phrasenstreuer!«

*

Muss auch schlucken: Phrasensteuer!

»Alles gut!«? – Das wird gut teuer.

*

Die Rhetorik-Müllabfuhr

kutscht das »Alles Gut!« retour.

*

»Alles Gut!« ist nichts als Leergut.

Ab dafür und: Danke, sehr gut!

Mehr aus: Feuilleton