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Aus: Ausgabe vom 03.01.2019, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Gefährliche Illusion

Zu jW vom 11.12.: »NATO-Manöver deutlich größer als angegeben«

Wäre es nicht so ernst, könnte man darüber lachen. Da hatte die NATO eine Unmenge Kriegsgerät medienwirksam als Kraftprobe gegen Russland versammelt. Man demonstrierte ohne Gefechtsbedingungen (Feindbeschuss, gewaltsame Störung des Nachschubes, der Nachrichtenverbindungen usw.) ein mehr oder weniger funktionierendes Zusammenwirken von Teilstreitkräften aus den meisten NATO-Staaten. Als Historiker und ehemaliger Offizier unser ungeschlagenen DDR-Grenztruppen kann ich darin nur die Vermittlung einer gefährlichen Illusion sehen. Das konnte bestenfalls als Präsentation modernster Kampftechnik unter unangenehmen herbstlichen Wetterbedingungen durchgehen. Unter realer Feindeinwirkung und den geographischen Verhältnissen Russlands zu dieser Jahreszeit wären massive Ausfälle und ein verstärkter Einsatz von Werkstattwagen und Räumpanzern wahrscheinlich. Zudem hat sich in der Militärgeschichte das Zusammenwirken von so vielen nationalen Teilstreitkräften gegen einen starken Gegner nicht bewährt. Diese gut genährten und verwöhnten Soldaten könnten kaum mit den russischen mithalten. (…) Die Russen hingegen verfügen nicht nur über eine in realen Kriegen erprobte, im Gegensatz zur NATO unkomplizierte und daher nicht so störanfällige Militärtechnik, sondern auch über neueste Kampferfahrungen (…). Das sind Soldaten, die bis in die jüngste Zeit gezeigt haben, dass sie kämpfen können und auch über die nötige Moral verfügen. Man sollte in den NATO-Hauptstädten auch nicht glauben, dass die Chinesen es zuließen, dass ihr nördliches und befreundetes Nachbarland einer westlichen Aggression anheimfiele. Die NATO am Amur wird es nie geben.

Bernhard Majorow, Erkner

»Wunderbare Verbündete«

Zu jW vom 14.12.: »Mobilmachung in Rojava«

Wenn der Feind uns lobt und bewundert, haben wir ein Problem. Mitte Oktober wurde berichtet, dass der gegenwärtige US-Außenminister Michael Pompeo die Ableger PYD und YPG der PKK in Syrien als »wunderbare Verbündete« bezeichnet hat. (…) Sie sollten sich nicht zu früh freuen. Denn die USA wechseln sehr schnell ihre »Verbündeten«. Was ist zum Beispiel in Afrin und Manbidsch passiert? Die USA haben die YPG im Stich gelassen, indem sie mit den Faschisten in der Türkei zusammenarbeiteten. (…) Was haben die USA in Syrien vor? Dazu sagte Pompeo: »Neben der Zerschlagung des IS haben wir zwei Ziele: zum ersten eine politische und friedliche Lösung in Syrien und zweitens den Rückzug der Iraner und ihrer Verbündeten.« Die Invasionen der USA in Irak und Syrien standen nach der Zerstörung des Sozialismus als nächste Tagesordnungspunkte auf dem Programm. Das dahinter stehende Projekt nannte sich »Greater Middle East«. Angeblich sollten die »Diktaturen« beendet werden. Dann wurde die IS-Terrorbande erfunden. Um diese zu bekämpfen, wurden verschiedene Organisationen aufgerüstet und ins Feld geschickt. (…) Da die kurdischen Nationalisten den USA bewiesen haben, dass sie bereit sind, sich ausnutzen zu lassen, haben sie dafür mehrere Ladungen Waffen bekommen. (…) Wie im Irak unter Masud Barsani kann auch in Syrien ein »kurdischer Staat« gegründet werden. Das wird aber nichts bringen, solange die YPG im Namen der USA kämpfen. Ihre Kollaboration wird zum Kampf der Weltbevölkerung gegen die Unrechtssysteme nichts beitragen. Die kurdische nationalistische Bewegung muss diese Allianz beenden. Denn sie stärkt mit ihr den Imperialismus und schwächt die Völker.

Muzzafer Dogan, JVA Schwerte

Das Ende naht

Zu jW vom 20.12.: »Politischer Irrweg«

(…) Das noch mit viel Getöse herrschende System geht seinem Ende entgegen. Dafür liefert es selbst die Mittel. So beruhte eine gewisse Zeit lang das Erwirtschaften maximaler Profite darauf, dass in den Herrschaftsbereichen internationaler Großkonzerne – also im Westen – der Einsatz intelligenzintensiver Bereiche konzentriert wurde. Hier wurde erfunden. Die Massenfertigung neuer Produkte wurde in Gebiete verlagert, in denen ausreichend billige Arbeitskräfte zur Verfügung standen – also im Osten und Süden. (…) Nun scheint sich das Rad erneut zu drehen. Ausgelöst durch die Digitalisierung, werden die Orte für das Erfinden und das Herstellen der Produkte wieder zusammengeführt. Das Ergebnis dieses Wandels besteht in zwei Veränderungen: Die Transportwege der Fertigprodukte verkürzen sich. Sie werden jetzt wieder im Westen produziert. Aber das für das Management viel Entscheidendere ist die Tatsache, dass sich die Anzahl der für die Fertigung erforderlichen »Arbeitnehmer« ganz wesentlich verringert. Und damit sinkt auch die Zahl der dem »Arbeitgeber« gegenüber unfreundlich bis feindselig eingestellten Kräfte. Das heißt aber, die Anzahl der »Arbeitsuchenden« wird enorm zunehmen, oder das Kapital vermindert die tägliche Arbeitszeit auf vier bis fünf Stunden. Welche gesellschaftlichen Veränderungen sich daraus ergeben, kann nicht (...) vorausgeahnt werden. Mit Sicherheit werden die Besitzverhältnisse der Produktionsmittel aber so verändert, dass die »Arbeitnehmer« auch die »Arbeitgeber« werden.

Günther G. Freudenberg, Bernburg (über die Kommentarfunktion für Onlineabonnenten)

Schmerzhafte Erinnerung

Zu jW vom 28.12.: »›Unileitung paktiert de facto mit den Rechten‹«

Ich habe von 1991 bis ’93 ein Zusatzstudium Bibliothekswissenschaft absolviert. Deshalb interessiert mich alles, was an der Humboldt-Universität Berlin passiert, nach wie vor. Dass eine SPD-Präsidentin faschistische Professoren unterstützt, entspricht dem Handeln von Ebert, Noske und Co. vor 100 Jahren. Mein Großvater war Mitglied der Volksmarinedivision und gehörte zu den Hunderten Opfern der Noske-Soldateska. Er ist im März 1919 ermordet worden. Mein Vater wurde im Juni geboren, hat also seinen Vater nie kennengelernt. Meine Oma ist dann wieder in ihr Mecklenburger Dorf zurückgekehrt und hat nie wieder geheiratet.

Peter Müller, per E-Mail

Man sollte nicht glauben, dass China seinen Nachbarn Russland einer Aggression anheimfallen ließe. Die NATO am Amur wird es nie geben.

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