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Aus: Ausgabe vom 31.12.2018, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Brechreiz und Berlinern

Denk ich an Deutschland | So., 8.20 Uhr, DLF
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Kurt Krömer im Februar 2011 in den Kulissen seiner Fernsehshow

Den Schauspieler und Anarchokomiker Kurt Krömer überkommt, »wenn ich an Deutschland denke«, momentan »ein gewisser Brechreiz«. Er denke dabei nämlich an den »ganzen braunen Mob«, »der immer mehr wird«, daran, dass er nach 20 Jahren Tätigkeit auf der Bühne sagen müsse, dass mit Rechts bei ihm »kein Blumentopf zu gewinnen« sei. Heimat? Kann wechseln. »Da, wo meine Familie ist.« Heimisch sei er bei Menschen, unter denen er sich wohlfühle, in Berlin-Neukölln oder im Wedding. Das mit dem Dialekt habe er »einfach durchgezogen«. In Westberlin, wo er aufwuchs, war der verpönt, er sollte den »Gossenjargon« sein lassen. Berlinern war ein »Geschenk der Wende«. Er ging damals in eine WG nahe am Deutschen Theater, weil Schauspieler, Intellektuelle da sein sollten. Krömer saß an einer Tafel, an der alle »kreuz und quer berlinert haben«, und fragte sich, wann die Intellektuellen kommen. Vorbilder? Keine, aber Helden wie Gerhard Polt. Krömer ist einer von denen, die Menschen mögen. (asc)

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