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Aus: Ausgabe vom 27.12.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Jagd auf große Meeressäuger

Japan verlässt Walfangkommission

Ab Juli 2019 wieder kommerzielle Jagd. Tokio spricht von mittlerweile »erholten Beständen«
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Bis die Meere leer sind: Japans Fangflotten dürfen sich auf viel fette Beute freuen

Ungeachtet weltweiter Kritik tritt Japan aus der Internationalen Walfangkommission (IWC) aus und will erstmals seit rund drei Jahrzehnten wieder kommerziell Jagd auf Wale machen. Wie Regierungssprecher Yoshihide Suga am Mittwoch bekanntgab, tritt der Rückzug aus der IWC im kommenden Juni in Kraft. Ab Juli würden japanische Schiffe dann wieder kommerziell Wale jagen. Man werde sich aber auf territoriale Gewässer und die exklusive Wirtschaftszone des Landes beschränken, so der Sprecher. Die jährliche Jagd in der Antarktis werde man einstellen. Japan hat schon bisher jedes Jahr Hunderte Meeressäuger zu angeblich »wissenschaftlichen Zwecken« getötet.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace verurteilte die Entscheidung Japans, aus der IWC auszutreten. Die Überfischung sowohl in japanischen Küstengewässern sowie auch in Gebieten auf hoher See habe zum Schwund vieler Walarten geführt. Die meisten Walpopulationen hätten sich noch nicht erholt, einschließlich derjenigen größerer Meeressäuger wie Blauwale, Finnwale und Seiwale. Die Regierung müsse dringend handeln, um maritime Ökosysteme zu schützen, statt kommerziellen Walfang wiederaufzunehmen, sagte ein Sprecher. Einem Bericht des ARD-Internetportals www.tagesschau.de vom Mittwoch zufolge bezeichnete die Vertreterin der japanischen Organisation von Greenpeace, Akiko Tsuchiya, die Entscheidung der Regierung als »schweren Fehler«, damit befinde sich Tokio nicht »im Einklang mit dem Rest der Welt«. Der Schritt sei eine »Abfuhr für den Multilateralismus« und daher aus Sicht der Umweltorganisation nicht hinnehmbar. »Zugleich darf man nicht vergessen, dass Japans Fangflotte in den letzten Jahren die Befunde des Internationalen Gerichtshofes ignoriert hat«, sagte sie.

Auch die australische Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Scott Morrison übte Kritik. Man sei »extrem enttäuscht«, sagte die dortige Umweltministerin Melissa Price in einer am Dienstag abend per Kurznachrichtendienst Twitter verbreiteten Stellungnahme. Sie rief die Regierung in Tokio auf, in die Kommission zurückzukehren. Australien werde weiter »resolut gegen jede Form des kommerziellen und sogenannten wissenschaftlichen Walfangs« auftreten.

Japan hatte das Verlassen der IWC mit Hinweis auf das seit 1986 geltende Walfangmoratorium bereits mehrfach angedroht. Tokio beklagt seit vielen Jahren, dass es einigen Mitgliedsländern der IWC nur um Walschutz gehe. Die ursprüngliche Aufgabe des Gremiums sei aber die Erhaltung der Bestände und die nachhaltige Nutzung. Der Inselstaat argumentiert, dass sich die Bestände einzelner Arten wie die der Zwergwale wieder deutlich erholt hätten. Japan hatte kürzlich bei der Tagung der IWC in Brasilien einen Antrag auf Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs gestellt, der jedoch abgewiesen wurde.

Es sei »nicht möglich in der IWC, eine Koexistenz von Staaten mit unterschiedlichen Sichtweisen« zu erzielen, begründete ein Regierungssprecher in Tokio den Beschluss zum Austritt aus der Kommission. Dennoch werde ihm zufolge das Land weiter einer internationalen Kooperation für ein angemessenes Management maritimer Ressourcen verpflichtet sein. Japan will künftig als Beobachter den Beratungen der IWC beiwohnen. (dpa/jW)

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