Aus: Ausgabe vom 24.12.2018, Seite 2 / Ausland

Wieder auf der Straße

Weiterer Protest von »Gelbwesten« in Frankreich. Präsident Macron in Tschad

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Auseinandersetzung mit der Polizei: »Gelbwesten«-Protest am Samstag in Nantes

In Frankreich sind am Sonnabend erneut Zehntausende Menschen gegen die neoliberale Politik von Präsident Emmanuel Macron auf die Straße gegangen. Es war das sechste Wochenende in Folge. Landesweit zählte die Polizei knapp 39.000 Demonstranten. In Paris beteiligten sich rund 2.000 Menschen an den Protesten. Dort kam es auch wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten in gelben Warnwesten und Einsatzkräften.

Die Polizei nahm landesweit 220 Menschen fest, davon allein 142 in der Hauptstadt. 19 von ihnen kamen in Gewahrsam. In Perpignan im Süden des Land starb ein Autofahrer, als sein Wagen in der Nacht zum Sonnabend auf einen an einer Straßensperre stehenden Lastwagen fuhr.

Die Protestbewegung konnte in der vergangenen Woche einen Teilsieg erzielen. Das französische Parlament bewilligte am Freitag mehrere Milliarden Euro für Sozialleistungen. Unter anderem sollen Bezieher des Mindestlohnes, Rentner und Arbeiter finanziell entlastet werden. EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger kündigte an, ein Defizitverfahren gegen Paris einzuleiten.

Am Rande eines Besuchs im Tschad sagte Macron, in Frankreich müssten wieder »Ruhe, Ordnung und Eintracht« herrschen. Gegen Gewalttäter werde die Justiz auf das Schärfste vorgehen. Der Staatschef besuchte am Sonnabend französische Soldaten, die in dem zentralafrikanischen Land im Einsatz sind. Macron brachte aus Paris nicht nur seinen persönlichen Koch Guillaume Gomez mit, sondern gleich noch zwei Tonnen Delikatessen: Champagner, Gänseleber, »Pâté en croute« (Pastete), Geflügelfilet mit Morcheln, Käse und Schokoladenspeisen.

Der »Proviant« war für die rund 1.300 Soldaten bestimmt, die auf dem Stützpunkt nahe der tschadischen Hauptstadt N’Djamena stationiert sind. Élysée-Küchenchef Gomez wurde mit der Zubereitung der Speisen beauftragt. »Wir brauchen ein Menü, das den Leib stärkt«, sagte er. »Unsere Soldaten sind ja zum Teil erst 20 Jahre alt. Die haben Hunger.« Die Soldaten im Tschad zählen zur französischen »Terrorabwehrmission Barkhane«. Macron griff am Buffet selbst zu. Tschad gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. (AFP/jW)


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