Aus: Ausgabe vom 17.12.2018, Seite 15 / Politisches Buch

Furchterregende Konzeption

Die Zeitschrift Welttrends beschäftigt, dass Kriege wieder für führbar gehalten werden

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Vor dem Comeback? Eine Mittelstreckenrakete vom Typ »Pershing II« im US-Atomraketendepot im schwäbischen Mutlangen (18.5.1987)

Im Dezemberheft der Zeitschrift Welttrends weist Chefredakteur Raimund Krämer auf eine »verlorene« Erkenntnis hin – die nämlich, dass »man keinen Krieg in Europa führen kann«. Erst in den 1980er Jahren habe man sich in Ost und West zu dieser Einsicht durchgerungen; heute sei sie zumindest in der »politischen Klasse« schon nicht mehr präsent.

Harald Kujat, von 2002 bis 2005 Vorsitzender des NATO-Militärausschusses, analysiert die Folgen des angekündigten Ausstiegs der USA aus dem im Dezember 1987 unterzeichneten INF-Vertrag. Es sei wahrscheinlich, dass die US-Regierung beabsichtigt, »nach dem Beispiel des NATO-Doppelbeschlusses« nukleare Mittelstreckenwaffen in Europa zu stationieren. Damit zeichne sich eine »politische Krise« in den europäischen NATO-Staaten ab: Vor allem in Westeuropa müssten die Regierungen »mit noch größerem Widerstand rechnen als zu Zeiten der Nachrüstung« in der ersten Häfte der 1980er Jahre. Dazu komme die »mangelnde Rücksichtnahme« auf europäische Sicherheitsinteressen. Das könne der Beginn eines Konflikts zwischen den europäischen NATO-Ländern einerseits und den USA andererseits sein, der die »Allianz in ihren Grundfesten erschüttert«.

Über »abschreckende Studien zum nuklearen Massenmord« schreibt Lutz Kleinwächter. Die zeigten unmissverständlich, dass die militärische Nutzung der Kernenergie »eine Sackgasse in der Entwicklung der Menschheit« sei.

Gregor Schirmer hat sich die vom Verteidigungsministerium im Juli 2018 vorgelegte neue »Konzeption der Bundeswehr« und das in den Details geheime »Fähigkeitsprofil der Bundeswehr« vom September angesehen. Das hier eingeforderte »Handlungs- und Leistungsvermögen« sei »geradezu furchterregend«: Mindestens angepeilt sei eine Hochrüstung auf das Niveau Frankreichs oder Großbritanniens. Werde das umgesetzt, dann sei die für 2025 vorgesehene Erhöhung des Militärbudgets auf 1,5 Prozent des BIP bei weitem nicht ausreichend. (jW)

Welttrends, Nr. 146/Dezember 2018, 73 Seiten, 4,80 Euro, Bezug: Welttrends, Medienhaus Babelsberg, August-Bebel-Straße 26–52, 14482 Potsdam, E-Mail: bestellung@­welttrends.de


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