Aus: Ausgabe vom 13.12.2018, Seite 5 / Inland

Seit 21 Wochen im Streik

Protest von Beschäftigten der Rehaklinik in Bad Langensalza vor »Reha-Wirtschaftstag« in Berlin

Von Susanne Knütter
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Charité-Beschäftigte kämpfen seit geraumer Zeit für bessere Arbeitsbedingungen (Berlin, 20.9.2017)

Eigentlich sollte die Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Celenus SE, Susanne Leciejewski, einen Vortrag auf dem Reha-Wirtschaftstag halten. Doch sie sagte kurz zuvor ab. Die Beschäftigten der »Celenus Klinik an der Salza« aus Bad Langensalza, die seit nunmehr 21 Wochen einen erbitterten Arbeitskampf gegen den Betreiber von Rehabilitationskliniken führen, erschienen am Dienstag trotzdem am Tagungsort auf der Fischerinsel in Berlin. Begleitet wurden sie von einem vergleichsweise großen Polizeiaufgebot. Man munkelte, dass das an den von Verdi verteilten gelben Leuchtwesten lag. Die könnten die Staatshüter an die anhaltenden Proteste der »Gelbwesten« in Frankreich (siehe jW vom 10.12.) erinnert und in Alarmbereitschaft versetzt haben.

Die Beschäftigten der Thüringer Klinik streiken für einen Entgelttarifvertrag. Derzeit erhalten Fachkräfte dort bis zu 42 Prozent weniger Geld als beispielsweise die Beschäftigten in Kliniken der Deutschen Rentenversicherung. Statt mit Verdi in Tarifverhandlungen nach einem fairen Kompromiss zu suchen, geht Celenus mit aller Härte gegen die Streikenden vor: mit Hilfe von Aussperrungen, Freistellungen und Kündigungen. Die fristlose Kündigung von zwei Gewerkschafterinnen hat das örtliche Arbeitsgericht inzwischen für unwirksam erklärt.

Eine der beiden zeitweise geschassten Frauen, Heike Schmidt, machte gegenüber jW am Dienstag deutlich: »Wer öffentliche Gelder« – zum Beispiel über die Krankenkassenbeiträge – bekommt, »muss nach Tarifvertrag zahlen«. Wie bisher gehe es nicht weiter. »Wir gehen alle in die Altersarmut« und die Orpea-Gruppe, zu der Celenus gehört, mache eine operative Umsatzrendite von 27 Prozent. »Celenus bedient sich an öffentlichen Geldern«; diesem Geschäft müsse die Politik ein Ende bereiten, forderte Schmidt im Namen aller Beschäftigten der Celenus-Klinik in Bad Langensalza. Solidaritätsbekundungen wie die der Bundestagsabgeordneten Jutta Krellmann (Die Linke), die am Dienstag ebenfalls vor das Novotel in Berlin-Mitte gekommen war, um den Streikenden den Rücken zu stärken, seien zwar »schön und gut«, aber die Politik müsse endlich »etwas machen«.

Das findet Krellmann auch. »Die Politik macht zu wenig«. Aber deshalb sei es auch besonders wichtig, dass die Betroffenen sich das nicht gefallen lassen. »Für Tarifverträge müssen die Beschäftigten selbst kämpfen.« Im Gespräch mit jW war Krellmann überzeugt, dass nur so Druck entstehen kann, der die Geschäftsführung und die Politik zum Handeln zwingt.

Schlichtungsangebote seitens der thüringischen Sozialministerin Heike Werner (Die Linke) und des parteilosen Bürgermeisters von Bad Langensalza, Matthias Reinz, hat die Geschäftsführung ausgeschlagen. Der Druck auf den Konzern ist offenbar noch nicht groß genug. Celenus betreibt in der Bundesrepublik 17 Rehabilitationseinrichtungen. Doch die Kolleginnen und Kollegen aus Bad Langensalza kämpften bislang im großen und ganzen allein.

Unterstützung bekamen die Demonstrierenden aus Thüringen am Dienstag von streikenden Beschäftigten der Charité Physiotherapie- und Präventionszentrum GmbH. Die Therapeutinnen, Therapeuten und Anmeldekräfte des Tochterunternehmens der Berliner Universitätsklinik streiken für eine Angleichung ihres Tarifvertrags an den für den öffentlichen Dienst.


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