Aus: Ausgabe vom 11.12.2018, Seite 2 / Kapital & Arbeit

Rüstungsproduktion steigt weiter

Waffenhandel nimmt jährlich weltweit zu. Experten nicht verwundert

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Tarnkappenkampfjets der USA bei der Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin am 25. April 2018

Die weltweite Produktion von Rüstungsgütern ist 2017 zum dritten Mal nacheinander gestiegen. Wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI mitteilte, belief sich der Verkauf von Waffen- und Militärdiensten der 100 weltweit größten Rüstungsunternehmen im vergangenen Jahr auf 398,2 Milliarden US-Dollar (350 Milliarden Euro). Das waren 2,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

»Die Entwicklung kommt für uns nicht unerwartet«, sagte Aude Fleurant, Expertin für Militärausgaben bei ­SIPRI. »Viele Länder modernisieren ihre Waffensysteme. Das ist seit langem geplant und geht über einen langen Zeitraum.« Die Spannungen in bestimmten Ländern und Regionen hätten zudem die Nachfrage nach moderneren Systemen steigen lassen.

US-amerikanische Unternehmen stehen nach wie vor an der Spitze der weltweiten Rüstungsproduzenten. Sie haben ihre Verkäufe um zwei Prozent gesteigert und haben nun einen Anteil von 57 Prozent an allen weltweiten Waffenverkäufen.

Russische Konzerne steigerten ihre Produktion um 8,5 Prozent; mit einem Gesamtanteil von nunmehr 9,5 Prozent an den weltweiten Rüstungsproduzenten verdrängte das Land Großbritannien vom zweiten Platz in dem Ranking. Einige der zehn gelisteten russischen Konzerne konnten demnach sogar Zuwächse von 22 und 25 Prozent verzeichnen.

Die 24 Rüstungsunternehmen in Westeuropa steigerten ihren Absatz um 3,8 Prozent auf 94,9 Milliarden US-Dollar (83,7 Milliarden Euro). Sie beherrschen damit knapp ein Viertel des Marktes. Die vier deutschen Rüstungskonzerne erhöhten ihre Produktion um 10 Prozent – damit hat Deutschland einen Anteil von 2,1 Prozent an den weltweiten Waffenverkäufen.

Die Waffenverkäufe türkischer Unternehmen stiegen 2017 um 24 Prozent. »Diese deutliche Steigerung spiegelt die Ambitionen der Türkei wider, ihre Rüstungsindustrie auszubauen, um die wachsende Nachfrage nach Waffen zu befriedigen und von ausländischen Zulieferern unabhängiger zu werden«, sagte SIPRI-Forscher Pieter Wezeman.

Die Europaabgeordnete der Linkspartei Sabine Lösing erklärte am Montag: »Angesichts der anvisierten deutsch-französischen Großprojekte« wie »Eurodrohne, Kampfpanzer und Kampfflugzeug« sei »zu befürchten, dass den Rüstungsunternehmen auch künftig satte Umsätze sicher sein werden«. (dpa/AFP/jW)


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