Aus: Ausgabe vom 10.12.2018, Seite 6 / Ausland

Big Man

Über Elbert Howard, eines der sechs Gründungsmitglieder der »Black Panther Party for Self Defense«

Von Mumia Abu-Jamal
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Elbert Howard referiert im Januar 1970 in Amsterdam über die Black-Panther-Bewegung

Sein Geburtsname war Elbert Howard, aber seine Genossinnen und Genossen der Black Panther Party nannten ihn alle »Big Man«. Er war tatsächlich stattlich gebaut wie ein Athlet des American Football. Zusammen mit Robert George »Bobby« Seale und Huey Percy Newton gehörte er zu den sechs Mitgliedern, die im Oktober 1966 im kalifornischen Oakland die »Black Panther Party for Self-Defense« gründeten. Howard war bis 1974 aktives Mitglied der Partei. Er gehörte dem Zentralkomitee an und war als stellvertretender Informationsminister für die Pressearbeit zuständig. Zeitweise leitete er als Chefredakteur die Parteizeitung The Black Panther.

Geboren und aufgewachsen in Chattanooga, Tennessee, blieb er 1960 nach Ende seines vierjährigen Dienstes bei der US-Luftwaffe in Kalifornien. Unter dem Titel »Als ich der Black Panther Party beitrat« schrieb er darüber im Panther-Blog Itsabouttimebpp.com: »Oakland schien eine blühende schwarze Gemeinde mit freundlichen Menschen zu sein. Es lag jedoch am Verhalten der dortigen Sturmtruppen der Stadtpolizei, dass klare Trennungslinien gezogen wurden. Sie warnten die Schwarzen vor tödlichen Konsequenzen, falls sie diese Linien überschreiten würden. Zu ›tödlichen Konsequenzen‹ kam es fast jede Woche, wenn weiße Cops schwarze Bürger töteten, was von Polizei und Behörden offiziell stets als ›Notwehr‹ gerechtfertigt wurde.« Deshalb organisierten die Panthers zunächst bewaffnete Patrouillen gegen die Polizeigewalt, um so die ständige Brutalität gegen die schwarze Bevölkerung zu verhindern.

Durch seine beeindruckende Größe und sportliche Gestalt sowie seinen imponierenden »Afro« fiel Elbert in der Öffentlichkeit auf und wurde zur fotogenen Ikone der Panther. In seinem Auftreten war er hingegen eher ein stiller und sachlicher Typ, dem es um Fakten und nicht um Show ging. Er war zur Stelle und füllte die Lücken in der alltäglichen Parteiarbeit, als mehrere Kampfgefährten und Mitbegründer der Panthers vor die Gerichte gezerrt wurden und im Gefängnis landeten. »Big Man« sorgte dafür, dass die Geschichte der Partei weiterging. Er war ein fähiger, talentierter Redakteur und Autor und, wenn nötig, auch ein brillanter Redner.

Elbert »Big Man« Howard starb im Sommer im Alter von 80 Jahren, aber er ist und bleibt für uns alle ein großes Vorbild. Er hinterlässt nicht nur seine Frau, Kinder und Enkel, sondern auch ein Erbe, das von Kampf, Widerstandsfähigkeit und »Black Power« zeugt. Selbst nachdem er die Partei verlassen hatte, drängte er die Unterdrückten immer noch, sich gegen ihre Unterdrückung zu wehren. In einem Essay aus dem Jahr 2005 mit dem Titel »Wie ich es sehe« schrieb er: »Die Leute wären gut beraten, die Geschichte zu studieren und daraus zu lernen. Schaut euch an, wie Kampagnen wie das ›Free Breakfast Program‹, die Kampagnen zur Kontrolle der Polizei und für ›Medical Clinics‹ zur medizinischen Versorgung unserer Bevölkerung von der Black Panther Party entwickelt und eingesetzt wurden. Wir müssen wachsam sein und uns zusammenschließen, wenn wir uns selber retten wollen.«

Im Gedenken an »Big Man« Howard, den legendären stellvertretenden Informationsminister der Black Panther Party: »All Power to the People!«

Übersetzung: Jürgen Heiser

Am 9. Dezember beginnt für Mumia Abu-Jamal das 38. Jahr in Haft – fast dreißig davon saß er in der Isolation des Todestrakts.Gestern fanden in mehreren Städten Solidaritätsaktionen für ihn statt. Von Berlin, Frankfurt am Main, Paris, London über Mexiko-Stadt bis Philadelphia und anderen Orten der USA skandierten viele Menschen »Free Mumia!« (jh)


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