Aus: Ausgabe vom 03.12.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Bei Bayer formiert sich Widerstand

Konzern will 12.000 Arbeitsplätze streichen. Heute Demonstration in Wuppertal

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Konzernlogo über dem Bayer-Werk Wuppertal

Die Bayer AG plant eine großangelegte Arbeitsplatzvernichtung. Wenige Tage nach Bekanntwerden entsprechender Absichten wollen Beschäftigte in Wuppertal protestieren. Der Betriebsrat des Konzernstandortes mit mehr als 3.000 Mitarbeitern hat für den heutigen Montag (mittag) zu einem Demonstrationszug aufgerufen. Er befürchtet nach eigenen Angaben, dass das Unternehmen durch den Stellenabbau Know-how und wichtige, innovative Arbeitsplätze unwiederbringlich verliere.

»Es gibt viel Unverständnis, aber auch Wut im Bauch«, sagte der Betriebsratsvorsitzende Michael Schmidt-Kieß am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Die Demo sei kurz vor einer Ansprache des Vorstandsvorsitzenden Werner Baumann geplant, die am Nachmittag an alle deutschen Standorte übertragen werden solle.

Bayer hatte am Donnerstag unter anderem angekündigt, dass eine neue Produktionsstätte in Wuppertal, die den Regelbetrieb noch nicht aufgenommen hat, schrittweise stillgelegt werden soll. Dabei geht es um die Herstellung eines sogenannten Faktor-8-Wirkstoffes, der die Blutgerinnung verstärkt. Weil viele Konkurrenzprodukte auf den Markt gekommen seien, will der Pharma- und Agrochemieriese mit Hauptsitz in Leverkusen die Produktion an einem US-Standort konzentrieren. Laut Betriebsrat werden in diesem Biotechnologiebereich nun rund 350 hochspezialisierte Arbeitsplätze in Wuppertal bereits 2019 wegfallen.

Der Wuppertaler Betriebsratschef forderte, dass für jeden Betroffenen eine Perspektive gefunden werden müsse – und zwar rasch, wie er mit Verweis auf die bevorstehenden Weihnachtsfeiertage betonte. Darüber hinaus sei im Forschungs- und Entwicklungsbereich in den nächsten Jahren ein Personalabbau zu befürchten. Wie viele der weltweit insgesamt 12.000 wegfallenden Arbeitsplätze in Deutschland gestrichen werden, stehe noch nicht fest. Er verwies darauf, dass betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2025 ausgeschlossen seien.

Bayer hatte in diesem Jahr den US-Saatgut- und Gentechnikkonzern Monsanto übernommen. Nach einem Prozess in den USA, den ein erkrankter ehemaliger Platzwart angestrengt hatte, der das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat für sein Krebsleiden verantwortlich macht, muss das Unternehmen Schadenersatz zahlen. Bayer/Monsanto hat zwar Berufung eingelegt, doch zahlreiche weitere Klagen sind Medienberichten zufolge anhängig. Internationale Investoren/Spekulanten befürchteten offenbar weitere Zahlungen und hatten daraufhin Bayer Aktien verkauft. (dpa/jW)


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  • Peter Richartz, Solingen: Streichkonzert In Wuppertal und Berlin streicht Bayer-Monsanto großzügig Stellen just in der Phase des Aufbaus eines 500-Millionen-Forschungszentrums in der Bergischen Metropole – und besiegelt gleichzeitig dessen »...

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