Aus: Ausgabe vom 03.12.2018, Seite 8 / Ansichten

Traumfänger des Tages: Norbert Blüm

Von Roland Zschächner
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Wenn die Verstorbenen vorbeischauen, ist es fast wie früher: Exbundesminister Norbert Blüm (Freiburg, 25.9.2017)

Früher war er mal Messdiener, und das ist er auf gewisse Art auch heute noch. Als Verteidiger der christlichen Soziallehre ist Norbert Blüm so etwas wie das Gewissen der CDU. Mal formuliert der 83jährige eine scharfe Kritik an der Debatte um Flüchtlinge, mal moniert er die Wortwahl des Aspiranten auf den Parteivorsitz, Jens Spahn, bezüglich der Opfer des Hartz-IV-Regimes als »herzlos«. Wegen solcher Äußerungen wird der Pfadfinder gern in Talkshows eingeladen. Denn eins steht fest: An der herrschenden Politik ändert Nobbi nichts. Das war früher schon so und wird auch so bleiben.

Worte können trotzdem etwas bewirken. Das hat Blüm in den Vorlesungen beim späteren Papst Joseph Ratzinger in Bonn gelernt. Der Minister für Arbeit und Sozialordnung in allen Regierungen des Bundeskanzlers Helmut Kohl schaffte es mit nur fünf Worten in die Geschichtsbücher: »Eins ist sicher: die Rente«, ließ der CDU-Mann 1986 flächendeckend in Westdeutschland plakatieren. Das sollte die Landsleute beruhigen. Doch nicht wenigen treibt der Gedanke an das Leben im Alter Angstschweiß auf die Stirn. Mitunter sorgt er auch für Alpträume.

Als späte Rache kann daher angesehen werden, mit was sich Blüm so manche Nacht herumschlagen muss. In der heutigen Ausgabe der Augsburger Allgemeinen lässt der Rüsselsheimer tief in sein Unterbewusstsein blicken: Er werde nämlich im Schlaf von den Geistern der Vergangenheit eingeholt, offenbarte Blüm dem Blatt. Neben seinem ehemaligen Chef Kohl trete auch Exministerkollege Heiner Geißler in seinen Träumen auf. Zwar nicht sehr oft, doch reichten die nächtlichen Erscheinungen aus, um sich mit den beiden im vorigen Jahr Verstorbenen »wie in alten Zeiten« zu unterhalten, so »als sei nichts passiert«.


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