Aus: Ausgabe vom 22.11.2018, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Eingeweideschau

Die Anstalt | Di., 22.15 Uhr, ZDF

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Scharfzüngige Kritiker der Sozialdemokratie: Claus von Wagner und Max Uthoff

Man weiß ja nie so recht, wo es anzusiedeln ist – das politische Kabarett. Eine Art öffentlicher Beichtstuhl, wohlgelittene Narretei, die dem Betrieb den Spiegel vorhält, damit alles so weitergehen darf wie bisher? Ein Ort der Kritik, der zur ändernden Praxis anhält, eine Anstalt zur Beförderung des Unmuts? Tranquilizer oder Weckamin? Irgendwie hatte das Einerseits-Andererseits bisher zuallermeist die Anmutung von Sozialdemokratie. Der jedenfalls stellen Max Uthoff und Claus von Wagner den Totenschein aus, lassen Rosa Luxemburg auftreten, und sie sagen: Die SPD braucht niemand, ja, das kann weg, die Grube ruft, aufhören. Das Sündenregister der Partei ist lang und beginnt am 4. August 1914. Die beiden Kabarettisten rechnen es 100 Jahre nach der von der SPD niedergeschossenen Novemberrevolution schonungslos vor. Und deuten an, was es mit einem an die Spitze der Politik zurückkehrenden Friedrich Merz auf sich haben könnte: Alle Macht den Aufsichtsräten. Im ZDF sieht man so etwas eher selten. (brat)


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