Aus: Ausgabe vom 19.11.2018, Seite 7 / Ausland

Kabale und Hass in Manila

Als Linke wäre die ehemalige »First Lady« der Philippinen längst hinter Gittern. Ihr Glück war und bleibt eine Justiz, die auf dem rechten Auge blind ist

Von Rainer Werning
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Vorerst noch auf freiem Fuß: Imelda Marcos hat nach ihrer Verurteilung umgerechnet 2.500 Euro Kaution beim Antikorruptionsgericht in Manila hinterlegt (16.11.2018)

Imelda R. Marcos, die Witwe des 1989 im Exil auf Hawaii verstorbenen ehemaligen Diktators Ferdinand E. Marcos, hat am vergangenen Freitag eine Kaution in Höhe von umgerechnet 2.500 Euro hinterlegt. Ein Woche zuvor war sie vom Antikorruptionsgericht in Manila für schuldig befunden worden, während ihrer Amtszeit unter anderem illegal Gelder unter falschem Namen in die Schweiz transferiert zu haben. Durch ihre Ärzte ließ die ehemalige »First Lady« mitteilen, gesundheitlich gehe es ihr momentan nicht so gut und sie sei wegen mehrerer Leiden in Behandlung.

Mit ihren knapp 90 Jahren ist Imelda Marcos noch immer umtriebig. Bis heute gilt sie, die samt ihrer Familie Ende Februar 1986 fluchtartig ihren Palast verlassen musste, um von der US Air Force ins Exil außer Landes geflogen zu werden, als geschätzte Persönlichkeit in Manilas Hautevolee. Dort erscheint sie gern als Dame von Welt und genießt es, ihre Lieblingslieder vorzutragen.

Bereits vor Jahren prägten ihre Landsleute den Begriff »Imeldific«. Worunter ein extravaganter Lebensstil verstanden wird, dem Marcos vor allem in den 1970er Jahren frönte. Damals nämlich war sie in Personalunion zugleich auch Gouverneurin von Manila, Siedlungsministerin und Sonderemissärin ihres Gatten Ferdinand. Um sich auf Dauer an der Macht zu halten und seine politischen Rivalen auszuschalten, hatte dieser am 21. September 1972 landesweit das Kriegsrecht verhängt.

Um dieses zu überdecken, setzte sich Imelda Marcos dafür ein, dass die philippinische Metropole zum Magnet »für das Gute und Schöne in der Welt« wurde. Unter ihrer Ägide entstanden damals entlang des Roxas-Boulevards Fünfsternehotels und der »Cultural Center of the Philippines Complex« mit dem »Folk Arts Theater« und dem »International Convention Center«, in das bevorzugt Marcos-Vertraute aus der Schickeria eingeladen wurden und wo internationale Tagungen sowie Schönheitswettbewerbe stattfanden.

32 Jahre nach dem Sturz von Ferdinand Marcos bekleiden Mitglieder der Familie wieder hohe politische Ämter, als sei nichts gewesen. Doch am 9. November wurde Imelda Marcos nach 27jähriger Prozessdauer zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Wenige Stunden vor ihrem Schuldspruch, in der Nacht des 8. November, geschah etwas, was seit langem zum Standardrepertoire der Landespolizei (PNP) gehört. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion nahmen Einsatzkräfte in einem Vorort Manilas drei Menschen fest, die sie beschuldigten, im Besitz von Granaten, mehreren Schnellfeuergewehren und Munition gewesen zu sein.

Einer der Inhaftierten ist Vicente Ladlad. Er ist einer von drei allein in diesem Jahr aufgegriffenen offiziellen Beratern des politischen Untergrundbündnisses der Nationalen Demokratischen Front der Philippinen (NDFP). Die Verhaftung von Ladlad und seiner Genossen Adelberto Silva und Rafael Baylosis, die bereits Mitte Oktober beziehungsweise Ende Januar festgenommen worden waren, verstößt offen gegen das im Frühjahr 1995 zwischen der philippinischen Regierung unter Präsident Fidel V. Ramos und der NDFP-Führung vertraglich vereinbarte »Gegenseitige Abkommen über Immunitäts- und Sicherheitsgarantien«.

Ladlas Frau, Fides Lim, und ihre Anwälte wiesen die Version der PNP schärfstens zurück und warfen der Behörde ihrerseits vor, den Beschuldigten die Waffen im Zuge der Festnahme untergeschoben zu haben. Überdies seien darauf nicht einmal Fingerabdrücke Ladlads gefunden worden. Kaution ist für die Inhaftierten ausgeschlossen. Präsident Rodrigo Duterte hat angekündigt, dass er die zur NDFP gehörende Kommunistische Partei (CPP) und ihre Guerilla­organisation, die Neue Volksarmee (NPA), bis Mitte nächsten Jahres »als terroristische Organisationen« aufreiben will.


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