Aus: Ausgabe vom 14.11.2018, Seite 16 / Sport

Nach der Sintflut

Von André Dahlmeyer
RTS25OQK.jpg
Copa Libertadores, Finalhinspiel: Boca Juniors gegen River Plate

Einen wunderschönen guten Morgen! Im zweiten Anlauf fand es dann statt, das Finalhinspiel der Copa Libertadores de América zwischen den Boca Juniors und River Plate. Bereits eine Woche zuvor hatte der SMN, der Nationale Meteorologische Dienst Argentiniens, schwere Unwetter für das Wochenende in Buenos Aires angekündigt. Am Sonnabend wurden innerhalb kürzester Zeit 130 mm Niederschlag gemessen. Das Arbeiterviertel La Boca war komplett überschwemmt, das Stadion auch, das Spiel wurde abgesagt und die Ansetzung auf Sonntag verschoben.

Fans und Reporter aus aller Welt waren angereist, um dem ersten Teil des historischen »Weltfinales des Fußballs« beizuwohnen. Die argentinischen Anhänger kamen größtenteils aus dem Inland und übernachteten in Autos, Bussen oder stahlen sich in Hauseingänge des Viertels. Am Sonntag gingen sie klatschnass ins Stadion. Einer war nicht mehr dabei. Ein japanisches Vereinsmitglied, das 33 Stunden lang für einen 24-Stunden-Aufenthalt angereist war, befand sich wieder auf dem Rückflug nach Tokio.

Rivers Trainerstratege Marcelo Gallardo hatte fürs Hinspiel Stadionverbot, weil er im Halbfinalrückspiel bei Grêmio in Porto Alegre, obwohl gesperrt, von Kameras in einem VIP-Balkon mit Walkie-Talkie eingefangen wurde. Außerdem ließ er es sich nicht nehmen, sein Team in der Halbzeit in der Kabine zu besuchen. Die Conmebol, der südamerikanische Fußballverband, bestrafte das hart, worauf Rivers Präsident Rodolfo D’Onofrio bemerkte, dass in argentinischen Stadien normalerweise nur Verbrecher Eintrittsverbot erhalten. Das Klima war aufgeheizt genug, Dauerregen hin oder her.

Die Atmosphäre in der »Bombonera«, dem Stadion der Gastgeber, ist phantastisch. Keine Gästefans. Ein gellendes Pfeifkonzert für River. Für Bocas Trainer, Guillermo Barros Schelotto, ist es das erste Libertadores-Finale als Coach. Nach gespielten fünf Minuten fischt Boca-Tormann Agustín Rossi einen Freistoß von »Pity« Martínez aus dem Winkel. Nächste Chance für River: Martínez Quarta per Kopfball unten rechts vorbei. Was ist mit Boca los?

Nach einer Viertelstunde kann Rossi nach einer prima Kombination der Riverplatenses gerade noch einen Kopfball des Kolumbianers Rafael Santos Borré zur Ecke abwehren. Die von Boca schaffen es nicht, Ezequiel Palacios und Martínez unter Kontrolle zu bringen. River überbrückt das Mittelfeld spielfilmreif, verlagert das Spiel aufgrund des traditionell defensiven Mittelfelds von Boca in die Breite.

Nach einer halben Stunde entsteht der Eindruck, dass, wenn River nicht bald Zählbares herausholt, das Spiel kippen wird. Gedacht, getan: In Minute 34 prüft Ramón Ábila erst mit rechts, dann mit links River-Tormann Franco Armani und locht zum 1:0 für Boca ein. Im Gegenzug gleicht Lucas Pratto aus. In der Nachspielzeit markiert Goalgetter Darío Benedetto das psychologisch wichtige 2:1 zur Halbzeit.

Der Ausgleich fällt nach einer Stunde nach einem Freistoß von fast der Mittellinie, getreten von »Pity« Martínez, Luftkampf zwischen Pratto und Izquierdoz am Fünfer, und letzterem streicht das Runde über den Scheitel, Eigentor. Boca erholte sich von diesem Rückschlag nicht mehr: Endstand 2:2. Das Rückspiel findet am 24. November im Monumental, dem Stadion Rivers, statt.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Mehr aus: Sport
  • Der TSV Hartberg mischt als Aufsteiger die österreichische Bundesliga auf. Auf dem Weg dorthin mussten aber einige Hindernisse überwunden werden
    Rouven Ahl