Aus: Ausgabe vom 14.11.2018, Seite 8 / Ansichten

Mafia-Bote des Tages: Gordon Sondland

Von Simon Zeise
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Freundliches Gesicht und knallharte Drohungen: Gordon Sondland vertritt die die USA bei der EU

Dem Imperium ist jedes Mittel recht: Die US-Regierung drohte am Dienstag mit Strafmaßnahmen, falls der Bau der Gasleitung »Nord Stream 2« von Russland nach Deutschland nicht gestoppt werde. »Wir haben noch nicht alle Instrumente eingesetzt, die das Projekt ernsthaft untergraben oder stoppen könnten«, warnte der US-Botschafter bei der EU, Gordon Sondland, in Brüssel die aus seiner Sicht offenbar übermütige Gefolgschaft.

»Europa« dürfe sich nicht einseitig von russischem Gas abhängig machen. Wenn diese Philosophie nicht angenommen und »Nord Stream« weitergebaut werde, dann habe der US-Präsident noch »viele, viele andere Instrumente zur Verfügung«. Er wolle aber »jetzt nicht alle aufzählen«. Die Bundeskanzlerin darf also noch hoffen, nicht unplanmäßig in die Berliner US-Botschaft einbestellt zu werden.

Selbstverständlich sind Sondlands Absichten ganz im Sinne von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten und völlig frei von Eigennutz, etwa Plänen, den alten Kontinent mit eigenem Flüssiggas zu überschwemmen. Sondland wolle nur »nicht, dass jemandem mitten im Winter das Gas abgedreht wird, wenn eine politische Krise ausbricht«. Wenn Berlin pariert, werde es hingegen mit offenen Armen empfangen: »So stark ist die transatlantische Beziehung: Wir sind wie siamesische Zwillinge«, meinte der Botschafter, der eher wie ein Schuldeneintreiber der Mafia auftrat.

Und wenn er schon dabei sei, solle die EU mal langsam zu Potte kommen und Zölle abbauen, damit das US-Kapital sich austoben kann. Einige nähmen wohl an, sie könnten das Ende von Trumps Amtszeit abwarten, raunte der US-Botschafter. Diese Taktik werde aber nicht aufgehen. Anders als in der EU diskutiert, müssten Agrarprodukte selbstverständlich Bestandteil eines gemeinsamen Handelsabkommens werden – dann schmeckt das Chlorhuhn. Sondland: »Diese Dinge können so einfach oder so kompliziert sein, wie man das haben will.«


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