Aus: Ausgabe vom 13.11.2018, Seite 11 / Feuilleton

Junge Dame verbiegt sich

Und Tilda Swinton hebt steif die Arme: Das gruselig schlecht gemachte Horrorfilm-Remake »Suspiria«

Von Gisela Sonnenburg
03 – Dakota Johnson als Susie //
Mitstudentinnen verschwinden (Dakota Johnson als Susie)

Das Horrorgenre hat seine Klassiker, dazu gehört der italienische Film »Suspiria« von Dario Argento aus dem Jahr 1977. Udo Kier hat darin einen legendären Auftritt, ansonsten lebt der Film von bizarrer Eleganz und artifizieller Schönheit. Ein Remake läuft immer Gefahr, weit hinter das Original zurückzufallen. Jetzt hat Regisseur Luca Guadagnino ein Budget von 20 Millionen US-Dollar für eine neue Version von »Suspiria« zum Fenster rausgeworfen.

»Suspiria« ist lateinisch und bedeutet »Seufzer«. Was einen in der Hollywood-Produktion seufzen lässt, sind protzige Spezialeffekte ohne weitere Bedeutung. Man sieht die Tanzstudentin Susie aus Ohio (gespielt von Dakota Johnson) im Herbst 1977 in Westberlin ankommen. Sie wird in einer Tanzakademie erwartet – von Angela Winkler. Kurz denkt man an deren Titelrolle in der Böll-Verfilmung »Die verlorene Ehre der Katharina Blum«; hier spielt Winkler eine Hausmeisterin. Es gibt in diesem Berlin viel Regen, am Rande immerhin noch Kämpfe der Polizei gegen Demonstranten. Auch dass die RAF die »Landshut« nach Mogadischu entführt, ist Teil der Drohkulisse, ansonsten aber nicht von Belang.

Dann gibt sich Tilda Swinton die Ehre. Als Pina-Bausch-Verschnitt trägt sie Zopf, hebt steif und ohne Esprit immer mal wieder die Arme. Swinton verkörpert in einer Doppelrolle auch ihren Gegenspieler: Ihr jüdischer Psychiater Klemperer geht glatt als Sigmund-Freud-Karikatur durch.

Einige Studentinnen verschwinden, die verbliebenen kichern durchgeknallt. Hexerei soll in der Luft liegen. Während einer Probe wird ein Ballettsaal zur Todeszelle: Die junge Dame darin verbiegt sich, als würde sie gefesselt und gerädert. Dank affiger Computertechnik kann sie sich mit fünffach gebrochenen Knochen noch bewegen, an unerwarteten Stellen verliert sie diverse Körperflüssigkeiten. Nicht unbedingt appetitlich. Bessere Horrorfilme bewirken ein schaurig schönes Gruseln, schlechte nur plumpen Ekel. Angewidert suchte ich das Weite. Man muss seine Lebenszeit ja nicht sehenden Auges vergeuden.

»Suspiria«, Regie: Luca ­Guadagnino, Italien/USA 2018, 152 min, Kinostart: 15. November


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