Aus: Ausgabe vom 09.11.2018, Seite 2 / Kapital & Arbeit

Tod fördert Umsatz

BRD-Konzerne exportieren weniger. Rüstungsgüter bleiben Verkaufsschlager

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Mord »Made in Germany«: Panzer »Leopard 2 A6« aus dem Hause Krauss-Maffei Wegmann

Konzerne aus der BRD exportieren weniger. Weltweit lieferten die Unternehmen im September Waren im Wert von insgesamt 109,1 Milliarden Euro aus, das waren 1,2 Prozent weniger als im September 2017 und 0,8 Prozent weniger als im August dieses Jahres, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte.

Kapitalvertreter waren in Sorge: »Besonders schmerzt der Rückgang auf so breiter Front, auch wenn er sich auf dem europäischen Markt in Grenzen hält«, sagte Holger Bingmann, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). Der Verband rechnet für das Gesamtjahr nun mit einem Exportwachstum von 3,5 Prozent statt der ursprünglich erwarteten fünf Prozent.

In der deutschen Außenhandelsbilanz ergab sich dennoch im September ein Überschuss von 18,4 Milliarden Euro. Besonders gut lief das Geschäft mit dem Tod. Der Rüstungskonzern Rheinmetall hat seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Panzer, Munition und andere militärische Güter fanden in den ersten drei Quartalen 2018 reißenden Absatz. Waren im Wert von 4,5 Milliarden Euro konnten verkauft werden, teilte Rheinmetall am Donnerstag in Düsseldorf mit. »Wir profitieren bei Defence (Verteidigung) vom wachsenden Nachholbedarf bei der Ausrüstung der Bundeswehr und vom militärischen Modernisierungsbedarf in vielen Ländern weltweit«, sagte Konzernchef Armin Papperger. Für das Gesamtjahr 2018 kappte der Konzern allerdings seine Umsatzerwartung für die Rüstungsgeschäfte. Statt einer Steigerung von zwölf Prozent werden es nun nur noch schätzungsweise sechs bis sieben Prozent. Für einige Aufträge fehlten noch die Exportgenehmigungen.

Auf gute Geschäfte warten muss die Peene-Werft in Wolgast. Wegen des Ausfuhrverbots von Patrouillenbooten nach Saudi-Arabien hat sie nach eigenen Angaben Kurzarbeit angemeldet. Die Entscheidung sei ein schwerer Schlag – wegen der hohen und andauernden Unsicherheit mit Blick auf die Genehmigung des Exportes weiterer Boote und der damit nicht planbaren Auslastungssituation aber unausweichlich, sagte der technische Geschäftsführer der Peene-Werft, Harald Jaekel. (dpa/Reuters/jW)


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