Aus: Ausgabe vom 08.11.2018, Seite 8 / Ansichten

Recycler des Tages: Igor Kolomojskij

Von Reinhard Lauterbach
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Dat dem einen sin Uhl dem anderen sin Nachtigall ist, sagt ein plattdeutsches Sprichwort. Der Kapitalismus weiß es auch und formuliert es anders: Des einen Pleite ist des anderen Profit.

Einem solchen Fall ist jetzt die internationale Wirtschaftsprüfungsfirma Kroll im Auftrag der ukrainischen Regierung auf die Spur gekommen. Es geht um schlappe 5,5 Milliarden US-Dollar, die der um den Euromaidan und die Finanzierung von Neonazibataillonen verdiente Oligarch Igor Kolomojskij aus seiner »Privatbank« herausgezogen haben soll, bevor er den Laden als Pleitekandidaten der Nationalbank vor die Füße warf. Dieses Geld sollen Kolomojskij und sein Partner Gennadij Bogoljubow (ausgerechnet »Gottlieb« heißt der Nachname übersetzt) durch großzügig gewährte Kredite aus der »Privatbank« herausgezogen und an ein paar Briefkastenfirmen verschoben haben, die ihnen über ein paar Ecken selbst gehörten. Sie hatten natürlich nie vor, das Geld zurückzuzahlen, sondern reinvestierten es statt dessen: in Yachten, Gemälde und Immobilien. Das war das Geschäftsmodell von Kolomojskijs Bank: 2016 umfassten solche faulen Darlehen nach Darstellung der ukrainischen Nationalbank 98 Prozent des gesamten Kreditportfolios der »Privatbank«. Die galt wegen ihres hohen Anteils am Privatkundengeschäft in der Ukraine als systemrelevant, weswegen man sie nicht einfach pleite gehen lassen konnte. Man kann es auch so formulieren: Kolomojskij hat die Ersparnisse von großen Teilen der ukrainischen Bevölkerung gestohlen und sich anschließend in die Schweiz davongemacht. Einen israelischen Pass hat er auch noch, weil Israel eigene Staatsbürger grundsätzlich nicht ausliefert. Was die Ukraine von diesem Geld eventuell wiedersieht, steht in den Sternen. Gerichtsurteile helfen ihr da wenig. Kolomojskij ist reich genug, um einen kleinen Teil seiner Beute in gute Anwälte zu investieren.


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