Aus: Ausgabe vom 08.11.2018, Seite 7 / Ausland

Indien entdeckt Simbabwe wieder

Neu-Delhi weitet Einfluss in Afrika aus. Vizepräsident Naidu auf Staatsbesuch

Von Simon Miller, Harare
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Hoffnung auf wirtschaftlichen Aufschwung: Verchromungswerk in der Nähe der Stadt Kwekwe in Zentralsimbabwe (25.7.2018)

Im Zuge seiner verstärkten Orientierung auf Afrika »entdeckt« Indien nach 21 Jahren Vernachlässigung das südafrikanische Land Simbabwe wieder. Vizepräsident Venkaiah Naidu beendete am Dienstag seine sechstägige Reise nach Botswana, Simbabwe und Malawi.

In Botswana eröffnete Naidu die »Global Expo 2018«, an der sich 25 indische Großunternehmen beteiligten. In Malawi weihte er ein Businesszentrum und ein Indien-Afrika-Institut für Agrarwirtschaft und ländliche Entwicklung ein. Für das von einer schweren Finanz- und Wirtschaftskrise gebeutelte Simbabwe hatte Naidus Visite einen besonderen Stellenwert, denn in seinem Tross befanden sich auch Firmenvertreter, von denen sich die Regierung des Präsidenten Emmerson Mnangagwa Investitionen erhofft.

Das indische Investitionsvolumen in Simbabwe beträgt gegenwärtig 500 Millionen US-Dollar. Der bilaterale Handel wuchs 2017/18 auf 1,75 Milliarden US-Dollar. Da sei aber bedeutend mehr drin, konstatierte der indische Vizepräsident am vergangenen Wochenende vor dem Indo-Simbabwe-Businessforum in Harare. Afrika habe »höchste Priorität« für Indien, so Naidu. Man wolle auch mit Simbabwe enger zusammenarbeiten. Er lobte in diesem Zusammenhang das Engagement der rund 10.000 indischstämmigen Simbabwer für die Entwicklung des Landes.

Auf dem 3. Indien-Afrika-Gipfel im Jahre 2015 hatte sich Neu-Delhi zu Krediten über zehn Milliarden US-Dollar für Afrika sowie zu Stipendien für 50.000 Studenten verpflichtet. »Wir sind auf einem guten Weg, das einzulösen«, versicherte der Gast bei seinem Besuch. Simbabwe hat davon bislang kaum etwas abbekommen. Nun wurde aber ein Anfang gemacht: ein Kredit über 310 Millionen US-Dollar für die Modernisierung des Kohlekraftwerkes Hwange, 23 Millionen für das Kraftwerk in Bulawayo, 19,5 Millionen für das Deka-Wasserpumpwerk, 2,9 Millionen für den Ausbau des Indo-Simbabwe-Technologiezentrums, zehn Ambulanzfahrzeuge sowie die Lieferung lebensrettender Medikamente. Diese werden dringend benötigt, denn Arznei ist seit einigen Wochen nur gegen harte Währung zu bekommen, was nicht nur die Opposition als skandalös bezeichnet. Indien könnte nun zum Rettungsanker werden.

Während des Staatsbesuchs wurden zudem Absichtserklärungen unterzeichnet: zum Abbau von Gold, Diamanten und Platin, zu Kunst und Kulturerbe, zur traditionellen Medizin und Homöopathie sowie ein Aktionsplan zur Nutzung von Informationstechnologie. Die Beratungen beinhalteten auch die Bereiche Agrarwirtschaft und Gesundheitswesen, Biotechnologie, erneuerbare Energien, Nahrungsmittel und Pharmaprodukte, Rüstung und Sicherheit sowie Infrastruktur und Tourismus.

Auf all diesen Feldern haben die Inder eine Menge zu bieten. Das Land mit seinem riesigen Markt bekundete Interesse am Diamantenhandel und regte die Einrichtung eines indisch-afrikanischen Diamanteninstituts an, das unter anderem die Ausbildung von einheimischen Facharbeitern fördern könnte.

Mit den offiziellen Besuchen des Vizepräsidenten unterstrich die Regierung von Premierminister Narendra Modi die verstärkte Hinwendung zum afrikanischen Kontinent – nicht zuletzt um Boden gegen die sich ebenfalls dort engagierende Volksrepublik China gutzumachen. Seit Modis Amtsübernahme vor vier Jahren bereisten 26 hochrangige Delegationen Afrika. In dieses Bild fügt sich auch Modis Wirken in der von Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika gebildeten Gruppe der BRICS-Staaten ein.

Um die Präsenz in Afrika zu erhöhen, sollen zudem bis zum Jahre 2021 auf dem Kontinent 18 indische Botschaften eröffnet werden. Das Land wird dann zu den Staaten mit den meisten diplomatischen Vertretungen in Afrika gehören. Auch in Harare soll eine neue Botschaft gebaut werden, am Sonntag legte Naidu dafür den Grundstein.


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