Aus: Ausgabe vom 08.11.2018, Seite 2 / Ausland

Planlose Attentäter

Frankreich: Militante Rechte festgenommen. Anschlag auf Macron befürchtet

Von Hansgeorg Hermann, Paris
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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Dienstag in Douaumont bei Verdun

Agenten der französischen Geheimdienste (DGSI) haben am Dienstag in Isère, in der Bretagne und in Moselle insgesamt sechs militante Angehörige der ultrarechten politischen Szene festgenommen. Sie werden verdächtigt, Anschläge gegen Staatschef Emmanuel Macron vorbereitet zu haben. Nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft handelt es sich um fünf Männer und eine Frau im Alter zwischen 22 und 60 Jahren.

Bis Mittwoch gab das Büro zur Bekämpfung »terroristischer Verbrechen« nur wenige weitere Einzelheiten bekannt. Es seien »präventive Vorermittlungen« eingeleitet worden, nachdem bei den Verdächtigen »ein gewalttätiges Aktionsprojekt gegen den Präsidenten der Republik« entdeckt worden sei. Das Projekt sei allerdings »unpräzise und schlecht definiert«. Zudem seien eine Feuerwaffe und Zünder für den Bau von Granaten gefunden worden. Die Vorgänge legen nahe, dass der Einzug der neofaschistischen Rechten in die Parlamente Frankreichs und Europas im Untergrund von bewaffneten und sich offenbar auch auf Anschläge vorbereitenden Gruppen begleitet wird. Marine Le Pen und ihre Partei »begrüßten« in der Vergangenheit zwar regelmäßig die Festnahme rechter Krimineller und Verdächtiger, haben sich allerdings nie grundsätzlich von der neofaschistischen Ausrichtung ihres Programms entfernt.

Bereits im September des vergangenen Jahres sowie im Sommer 2018 hatten die Geheimdienste »vorsorglich« Mitglieder der gewaltbereiten rechten Szene festgesetzt. Zudem enthüllten die Dienste Attentatspläne gegen den Wortführer der parlamentarischen Linken, Jean-Luc Mélenchon, sowie gegen den inzwischen zu Macrons Innenminister aufgestiegenen ehemaligen Sozialdemokraten Christophe Castaner.

Ungewöhnlich ist diesmal allerdings die – in den französischen Medien wenig beachtete – »vorsorgliche« Festnahme einiger von den Ermittlern selbst als »planlos« eingestufter Attentäter gerade zum jetzigen Zeitpunkt. Sie wurde mit der gegenwärtigen Reise Macrons durch den Norden des Landes begründet, doch die Route des Staatschefs zu den Schauplätzen des Ersten Weltkriegs war den Diensten seit Wochen, wahrscheinlich Monaten bekannt. Dass die Tour in aller Eile mit den Verhaftungen unterfüttert wurde, lässt auf eine entsprechende Weisung aus dem Präsidentenpalast Élysée schließen. »Präsidentenkönig« Macron liebt die Symbolkraft von Schauplätzen und Staatsaktionen.


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